Berge und Meer

„Gott, steh uns bei!“ „Um Himmels willen!“ „Da haben wir wirklich einen Schutzengel gehabt!“

Was früher so nebenbei, ohne Nachdenken gesagt oder geseufzt war, bekam plötzlich eine neue Bedeutung und Tiefe. Schutzmächte, die außerhalb von uns sind. Gnade, die man geschenkt bekommt, statt sie zu erwirken.

Zuerst das Erschrecken über die TV-Bilder. Dann Verunsicherung: Habe ich mir genügend die Hände gewaschen, darf ich jetzt die Klinke überhaupt anfassen, ist das nun genug Abstand zu dem, mit dem ich rede?

Ich erinnere die große Sorge des Pflegepersonals um seine Patienten in Zeiten der Pandemie.

Berufe, plötzlich im Mittelpunkt, die früher kaum des Erwähnens wert. Freundlichkeiten und Rücksichtnahmen unter Fremden. Reden mit einem, an dem ich sonst vorbeigegangen wäre. Die nie erlebte Ruhe, in unserer Stadt und in den Menschen drin.

Und alte Worte und Weisen, sie gewannen neue Kraft: Bella ciao von den Balkonen, Der Mond ist aufgegangen von den Posaunen, das So-Gott-will, ein Stoß- oder Fürbitt-Gebet und die alten Psalmen.

– Alles war gesagt, dann hatte ich den Patienten gefragt, ob ich noch Verse sprechen dürfe, für uns beide:

„Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken, wenngleich das Meer wütete und wallte…“ (Psalm 46)

Er hatte zugehört, mit geschlossenen Augen, auch noch beim Segen, die Hände wie zufällig beisammen. Und das Amen hatte er mitgesprochen.

Uns allen Schutz, Begleitung, Erholung und gute Gesundheit!

Pfarrer Sebastian Rebner, Krankenhausseelsorger im St. Georg Krankenhaus