Das Böse mit Gutem überwinden?!
Zuspruch und Anspruch
Eine kleine Gruppe steht etwas hilflos bei frostigen Temperaturen an der Friedenssäule auf dem Nikolaikirchhof, in der Hand Plastikbecher mit Teelichtern. Wir formulieren für Social Media Solidaritätsbekundungen für Minneapolis, wo Menschen durch unrechtmäßige staatliche Gewalt schier unglaublichen Repressionen ausgesetzt sind oder gar durch sie ums Leben kamen.
Der Leipziger Kirchenbezirk steht seit Jahrzehnten mit der lutherischen Kirche in Minneapolis in partnerschaftlichen Beziehungen.
Vergangenen Sommer war deren Bischöfin Jen Nagel mit einigen Kolleginnen und Kollegen in Leipzig. Damals fragte ich sie, ob sie Angst vor persönlichen Repressionen durch die Trump-Administration hätten. Im Moment seien sie nicht persönlich betroffen, anders als zum Beispiel Trans-Personen. Aber vielleicht, antworten sie nachdenklich, seien sie es in ein paar Monaten auch. „Es ist die staatliche Willkür, die eine Gesellschaft lähmt. Wenn man Institutionen, die ihre Bürger und Bürgerinnen schützen sollen, nicht mehr vertrauen kann.“ Wie recht sollten sie behalten!
Der Nikolaikirchhof als Ort der Solidarität ist bewusst gewählt. Schon einmal waren es die anfangs hilflosen Kerzen und Gebete, die am Ende mehr Kraft hatten als unrechtmäßige staatliche Gewalt.
Für mich liegt die Kraft damals wie heute im Zu- und Anspruch: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
Anna-Maria Busch ist Stadtjugendpfarrerin in Leipzig
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Nikolaikirche Leipzig, Foto: Kirchenbezirk

Ev.-Luth. Kirchenbezirk Leipzig
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