Das Schweigen der Lämmer?

Haben wir nichts mehr zu sagen? Oder wenn wir etwas sagen, dann klingt es oft peinlich, der Situation nicht angemessen, wenig konkret, fern der Realität. Sind wir überflüssig geworden, wir, die Menschen der Kirche?

In einer Zeit der Ratlosigkeit und der Suche nach der richtigen und guten Handlung fällt die Kirche derzeit vor allem mit einem auf: Sie schweigt. Nicht die einzelnen Mitarbeiter, auch nicht einzelne Bischöfe. Da ist schon so mancher vernehmbar in dieser Zeit.

Aber insgesamt? Insgesamt ist es doch ein großes Schweigen. Was ist uns geschehen in den Jahren nach der Wende, in der die Kirche ein wichtiger Ort der Gespräche und des Neuanfangs war? Ist uns die Stimme abhandengekommen? Aber ist Schweigen nicht viel zu unterschiedlich deutbar? Kann man sich das in so einer Zeit leisten: still sein, kleine Angebote wagen und ansonsten nichts zu tun?

Aber ist Schweigen nicht auch Antwort? Stille-Sein und zugeben: Jetzt gibt es keine einfachen Antworten. Jetzt respektiere ich die Ratlosigkeit. Jetzt gebe ich zu, dass ich da sein werde, ohne zu sagen, was richtig oder falsch ist. Ich verlasse den Weg auf dem man in gut und schlecht einteilt.  Ich bin mir dessen bewusst: Jetzt und hier sind wir gefordert andere, neue, ungewohnte Wege zu gehen. Vielleicht hilft uns allen der Mut dazu, keine Lösung zu haben, sondern in kleinen Schritten einen neuen Weg zu ertasten, mehr als das eine große Wort? Denn im Schweigen, in dem ich mit anderen unterwegs bin, ertönt etwas lauter als alles andere: Ich bin hier, auch mit dem, was ich nicht weiß. Ich bleibe dir nah, wer du auch seist, denn ich bin wie du.

Bettine Reichelt, Theologin, Lektorin und Autorin

Foto: Lotz