Daten zu verschenken

„Ja, ja, ich kann mir schon denken, was in dem Brief steht“, sprach eines unserer Vereinsmitglieder. Und richtig: Auch wir informieren all unsere Kontakte, wie wir es mit dem Datenschutz halten. Höre ich da gelangweilte Abwehr heraus? Egal, erst einmal wollen wir als soziales Unternehmen unseren Pflichten nachkommen.

„Wir machen so weiter wie bisher. Soll uns doch jemand verklagen, dann sehen wir mal, welche Pflichten wirklich angemessen sind“, spricht ein anderer Jugendhilfeträger. „Ohne Unterschrift der Betroffenen läuft bei uns gar nichts mehr, erstmalig haben wir die Namen der neuen Konfirmanden nicht mehr veröffentlicht“, aus einer Kirchgemeinde.

Man kann wie immer auf beiden Seiten des Pferdes herunterfallen, ein gesundes Mittelmaß ist sinnvoll. So wollen wir es auch als Lobbyist für Kinder und Jugendliche halten, wenn es um deren Interessen geht.

Willst du nach 10 oder 15 Jahren im Internet deine Kinderfotos sehen, die deine Eltern aus Lust und Laune eingestellt haben? Willst du dich mit persönlichen Offenbarungen im sozialen Netzwerk angreifbar machen, nur um dazu zu gehören? Willst du deine Daten (und die deiner Freunde) „verschenken“, damit andere damit richtig Geld machen können?

Nicht jeden werden diese Fragen und mögliche Antworten bewegen. In jedem Fall können sie Bedeutung für den einzelnen, Gruppen und gesellschaftspolitische Zusammenhänge entfalten. Dies gilt ebenso für einen vielleicht noch wichtigeren Fragenkreis:

Wem willst du dein Vertrauen schenken, obwohl er dir noch fremd ist? Was sollte echte Freundschaft kosten? Welcher Preis ist zu hoch? Wie können wir stark aus Krisen und Konflikten herausgehen? Wie kann ich Freunden, die gemobbt werden, helfen? Von wem will ich Hilfe annehmen? Wie kann uns die Bibel als Buch des Lebens helfen?

So bleibt es ein tägliches Ringen, gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen diese beiden Fragebereiche zu klären. Wo sich fachlich Kinder- und Jugendschutz auf der einen Seite und Persönlichkeitsentwicklung auf der anderen Seite berühren, wo (Selbst)Kontrolle und Vertrauen in eine gesunde Balance kommt, da passiert das Leben. Hoffentlich auch bei Erwachsenen.

Aaron Büchel-Bernhardt, Leitender Sekretär des CVJM Leipzig e.V. – Christlicher Verein junger Menschen

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