Dauerts noch lang?
von André Krause
Wenn aus lästigen Wartezeiten überraschende Lebensmomente werden
Warten ist lästig – finden Sie nicht auch? Ob am Bahnsteig, beim Arzt oder in der Schlange beim Einkaufen. Es gäbe viele Möglichkeiten, die Wartezeiten sinnvoller zu verbringen. Und jede und jeder entwickelt eigene Strategien, die Wartezeiten zu füllen: Podcast hören, den Tagesplan neu strukturieren, Grübeln über verpasste Chancen, überlegen, an wen und was noch zu denken ist, ärgern und schimpfen, ein Nickerchen machen. Wie überbrücken Sie solche Momente?
Ich merke beim Warten oft: ich bin selten da, wo ich tatsächlich bin. Bin mit meinen Gedanken meist ganz woanders und verpasse die Chancen des Augenblicks. Denn die gibt es durchaus. Jemand nettes kennenlernen. Für einen anderen eine Hilfe sein. Genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Die Sonne genießen. Sich für jemanden einsetzen. Plötzlich verwandelt sich eine lästige Wartezeit in einen überraschend wertvollen Moment des Tages. Mir fallen viele solcher Momente ein.
Advent ist eine solche Wartezeit. Die Menschen der Bibel warteten, dass Gott kommt, dass er eingreift. Advent heißt, sich bereit machen für eine unerwartete Begegnung – vielleicht sogar mit Gott, mitten im Alltag. Advent lädt ein, weniger über die Dunkelheit zu schimpfen und lieber ein Licht anzuzünden. Gegenwärtig sein. Offen sein, für den Moment. Das will ich üben. Die nächste Wartezeit kommt bestimmt.
Ich wünsche ihnen einen gesegneten zweiten Advent.
André Krause ist Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten) Leipzig
Foto: Lutz Neumeier (fundus-media)




