Deiche des Mutes bauen

„Wir müssen immerfort Deiche des Mutes bauen gegen die Flut der Furcht“. Dieser Satz von dem Bürgerrechtler Martin Luther King (1929-1968) ist mir in der letzten Zeit mehrmals begegnet. Ihn in Erinnerung zu bringen ist nötiger denn je angesichts der Furcht vor dem was kommen wird. Seit Jahrhunderten bauen Küstenbewohner entlang der Meeresufer Deiche, um sich vor der Flut zu schützen. Bei Sturmfluten entwickeln die Meere eine solche Kraft, dass die Wassermassen ganze Landstriche unter sich begraben. Das erlebten wir inzwischen auch im „platten“ Land. Der praktische Deichbau reichte nicht aus. Es mussten neue Konzepte für den Schutz vor dem Hochwasser erarbeitet werden.

Die Furcht vieler Menschen vor der Auswirkung der auf uns zurollenden Klimakatastrophe ist groß und die Hoffnung auf eine veränderte Klimapolitik schwindet. Es heißt, dass wir die Chance rechtzeitig zu handeln, verspielt haben, denn schon seit den 70er Jahren hat uns der „Club of Rom“ angesichts der sich abzeichnenden Auswirkungen unserer Wirtschaftsweise auf Mensch und Natur auf die Folgen aufmerksam gemacht. In der berechtigten Sorge darum, wie unsere Erde ohne konsequenten Kohleausstieg 2050 aussehen wird, gehen uns die Visionen und Utopien verloren. Daran erinnern die Schülerinnen und Schüler von „Fridays for Future“. Ihnen geht es darum, dass die Politik Rahmenbedingungen für eine Wirtschaft setzt, die dem Leben dient, unser persönliches Handeln vorausgesetzt. Das sind für mich Deiche des Mutes.

Die Kraft zum Handeln gibt mir die biblische Vision von einem „neuen Himmel und einer neuen Erde, auf der Gerechtigkeit wohnt“. Sie trägt mich, sie treibt mich an und erfüllt mich mit großer Hoffnung. Ich habe gelernt, dass Ungerechtigkeit und Zerstörung nicht die letzte Wirklichkeit sind.  Ein Lied aus meiner Zeit in der Jungen Gemeinde fällt mir dazu ein:

„Ich will gegen das Geläut der Leute mein Geschweige stimmen. Ich will gegen das Gedröhn der Bomben meine Träume summen. Ich will gegen das Geleucht der Lichter meinen Dunkelheiten trauen. Ich will für die große Flut der Tränen eine Freudenmauer bauen“ (Wilhelm Willms).

Bis heute empfinde ich das Lied als eine Einladung an uns alle.

Christine Müller, Arbeitsstelle Eine Welt in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens

Foto: Bild von Kobus van Leer auf Pixabay