Der Mensch denkt …

Im Januar gebucht, damit nichts schief geht. Jetzt steht in den Sternen, ob aus dem Tunesien-Urlaub unserer Freunde etwas wird. Bekannte hatten im Juni heiraten wollen, dieses Vorhaben hat das Virus vereitelt. Nicht wenige Jugendliche, die in diesem Schuljahr ihr Abitur gemacht haben, träumen von Work and Travel. Ob etwas daraus wird?

So viele Pläne sind in den vergangenen Monaten die Pleiße heruntergegangen, weitere werden folgen. Ich bin vorsichtig geworden beim Planen, mag nicht gern enttäuscht werden. Wir haben ungewohnt viel Kontrolle über unser Leben verloren.

Nicht verwunderlich, dass viele von uns sich hilflos fühlen. Manche betrauern eher die Verluste, andere werden ärgerlich und wütend. Sie hätten gern Schuldige. Irgendjemand muss doch schuld sein, unmöglich, dass es niemanden gibt.

„Der Mensch denkt, Gott lenkt“, so sagte es in frömmeren Zeiten der Volksmund. Das konnte wohl mitunter resigniert klingen. Aber unsere Vorfahren wollten damit auch sagen, dass Gottvertrauen in unsicheren Zeiten nicht das Schlechteste ist. Wenn erstens alles anders kommt zweitens als man denkt, wie Wilhelm Busch meinte, dann kann dennoch etwas Gutes daraus werden.

Es hat mich schon oft durchrieselt, wenn ich alten Menschen gegenübersaß, und wenn sie im Rückblick auf die Achterbahnfahrt ihres Lebens sagten: „Es war gut, dass ich die Hände falten konnte. Der Mensch denkt, Gott lenkt.“ Auf ihren Gesichtern lag Dankbarkeit.

Johannes Markert, Pfarrer zur Erteilung von Religionsunterricht im Kirchenbezirk Leipzig

Foto: unsplash