Derselbe Name und doch ganz anders
Wolfgang Menz zur neuen Woche
„ … und genieße die Zeit mit deiner Sabine …“, so die Empfehlung am Abschluss der WhatsApp. Unsere Frauen tragen den gleichen Vornamen. Bald fünfzig Jahre bin ich mit „meiner“ Sabine verheiratet. Das waren viele, viele Tage mit vielen Möglichkeiten zum Genuss.
Sinn und Klangkraft vom Abschluss jener WhatsApp erschließen sich aus der ganzen Mitteilung: „Seine Sabine“ ist völlig unvorhergesehen und in dramatischer Geschwindigkeit in den Abschied ihres Lebens eingetreten.
Mir/Ihnen muss man nicht erklären, dass unser Leben auf ein zeitlich offenes, aber todsicheres Ende angelegt ist. Ich spare mir Sinnsprüche wie: „Lebe jeden Tag so, als ob …“. Das kennen wir. Das wissen wir.
Doch dieses nüchterne Wissen beginnt wie eine Glocke zu schwingen, wenn es bei uns ganz nahe anschlägt. Nicht nur im Kopf, auch im Bauch, bis an das Herz heran. Selbst das Wort „Genuss“ variiert dabei seinen Klang. Zart wird es. Kostbar. Einmaliger die Gestaltung von Zeit, von Gemeinschaft, verbleibender Gestaltungsmöglichkeiten.
So entsteht ein Lächeln. Ein Kuss. Ein entschiedenes Dennoch. Damit es nicht nach der Zeit verklingt in einem „Hätte ich doch“, „Wäre noch“, „Würde ich eigentlich“.
Ich wünsche Ihnen eine gute Woche mit Genuss! Sie wissen schon, wie ich das meine.
Wolfgang Menz ist Sozialpädagoge
Foto: Hans-Jörg Ott (fundus-medien.de)




