Die Ewigkeit im Herzen

Ein Weisheitslehrer schreibt in das Menschheitsgedächtnis: „Gott hat die Ewigkeit ins Menschenherz gelegt“ (Prediger-Buch der Bibel). An seine noch dunkle Ahnung, doch Ahnung voller Lichtblick, denke ich zum morgigen „Ewigkeits-Sonntag“ oder „Christkönigs-Fest“. Der uns namentlich nicht bekannte Lehrer besitzt die Weisheit, im Unbestimmten stehen zu lassen, was da geschieht, wenn Gott „die Ewigkeit in des Menschen Herz legt“. Von der „Ewigkeit im Herzen“ können wir nur mit unbestimmten, andeutenden, umschreibenden Worten sprechen. Denn das bedeutet ganz Verschiedenes für uns alle, wenn wir in diesen Tagen an die Gestorbenen und unsere Endlichkeit denken: Der Bogen spannt sich von einer großen, suchenden Leere im Herzen, über ein leises Sehnen, es müsste doch so etwas wie ein „Danach“ geben, über vielfache Vorstellungen der Todesüberwindung oder einer besseren Welt, bis zu solchen Hoffnungen, die wir in der Bibel finden: am Ende wird Gott alles in allem sein – und er ist das Leben.

Die Ewigkeit im Herzen. Alle tragen wir sie in uns, Gott legt sie in jedes Herz. Die christlichen Kirchen wünschen Ihnen: Die Ewigkeit ahnen, das helfe Ihnen, die Gestorbenen nicht verloren zu glauben, der Traurigkeit standzuhalten, unter der Endgültigkeit des Abschieds und den unbeantworteten Fragen nicht zu zerbrechen, einer Heilung nicht ausgesöhnter Schuld zu vertrauen und wieder ins Leben zu gehen. In Trauer und Schmerz – aber ans Leben und seine Aufgaben gehen und zu den Menschen, die uns brauchen. Das macht die Kraft der „Ewigkeit im Herzen“. Auch dieses Jahr.

Dr. Michael Kühne, Pfarrer und Theologischer Geschäftsführer Diakonissenkrankenhaus Leipzig, Rektor DH-Leipzig

 

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