Die Kunst des Zuhörens

Kennen Sie den Ausspruch: „Gott hat uns Menschen nicht ohne Grund mit nur einem Mund aber mit zwei Ohren ausgestattet“? Die Bibel drückt es so aus: „Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.“ Jakobusbrief 1,19.

Wirkliches Zuhören ist eine Königsdisziplin im Umgang miteinander. Wir sind dankbar, wenn ein Gesprächspartner zuhört, uns seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt. Wenn wir spüren, ihr liegt etwas an mir und meiner Meinung. Menschen, die zuhören können, tun einfach gut. Sie helfen, Erlebnisse und Erfahrungen zu verarbeiten. In ihrer Gegenwart können wir ungeschützt reden. Da wächst Vertrauen, dass alles was wir mitteilen, vertraulich bleibt und geschützt. Was für ein Geschenk, wenn man solche Freunde und Gesprächspartner hat.

Mein intensivstes Übungsfeld dafür sind die Besuche im Krankenhaus oder bei Menschen in schweren Lebenssituationen. Da helfen meine vermeintlich klugen Ratschläge nicht weiter. Wertvoll allein ist es, ganz da zu sein, zugewandt und aufmerksam. Zuhören und die Zwischentöne wahrnehmen. Einfach da sein. Das Wertvollste schenken: Zeit.

Dietrich Bonhoeffer beschrieb es so: „Wer nicht lange und geduldig zuhören kann, der wird am Andern immer vorbeireden und es selbst schließlich gar nicht mehr merken. Wer meint, seine Zeit sei zu kostbar, als daß er sie mit Zuhören verbringen dürfte, der wird nie wirklich Zeit haben für Gott und den Mitmenschen, sondern nur immer für sich selbst, für seine eigenen Worte und Pläne.“

Viele unbedachte Worte sprudeln gern aus unserem Mund und ein einmal ausgesprochenes oder geschriebenes Wort lässt sich nicht zurücknehmen. Wie oft haben wir unsere Mitmenschen schon mit unseren Worten verletzt.  Und wie oft kamen dann Reaktionen zurück, die uns in Aggression und Zorn versetzt haben. Zorn ist ein starkes Gefühl. Aber im Zorn gesprochene Worte und Handlungen lassen uns später beschämt und klein aussehen. Zorn zerstört, was wir uns zuvor mühevoll aufgebaut haben. Im Zorn tun wir niemals, was Gott gefällt.

Auf Gott hören, auf sein eigenes Herz hören, auf den Mitmenschen hören. Eigentlich ist das nicht schwer. Zuhören kann jede und jeder. Und es verändert mich, die Beziehung zum Mitmenschen, die Gesellschaft. Heute ist Gelegenheit dazu.

von Pastor André Krause, Baptisten-Leipzig

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