Dieses Weihnachten werden wir nicht so schnell vergessen,

das steht fest! Weihnachten im Lockdown: ohne Weihnachtsmarkt, ohne die Weihnachtsfeier mit der ganzen Familie, die von überall her anreist. Gottesdienste am Heilig Abend ohne „O du fröhliche“ und „Stille Nacht“ – das hatten wir noch nie.

Viele werden sich „fehl am Platz“ fühlen – eigentlich wollten sie ganz woanders sein am Heiligen Abend. Das jedenfalls haben sie mit Maria und Josef gemeinsam. Die wollten auch nicht in Bethlehem sein und schon gar nicht in einem Stall, als ihr erstes Kind zur Welt kam. Zwar hätte Maria sich gewiss eher ihre Mutter oder eine Freundin an ihrer Seite gewünscht als die Hirten vom Feld, die die Engel zu ihnen geschickt hatte – aber immerhin – die unbeholfenen Worte der Hirten haben ihr Herz erreicht. Ein schwacher Trost ist besser als gar keiner.

Hilft das dem jungen Mann in der Psychiatrie, der wegen Corona kaum Besuch bekommen kann oder der alten Dame im Seniorenheim, die in den letzten Jahren zu Weihnachten immer von ihren Kindern abgeholt wurde? Wahrscheinlich am ehesten dann, wenn sie in diesen Tagen auch mal sagen können: Dich / Sie schickt mir der Himmel – und sei es bloß, dass ein Gruß sie erreicht oder auch Musik an ihr Herz dringt, die sie tröstet.

Ich hoffe ehrlich gesagt, dass die „Engel“ von heute sie spüren lassen: Du bist nicht vergessen, von mir nicht, von Gott nicht.

Engel mit Flügeln habe ich noch nie gesehen – solches mit zwei Beinen schon viele.

Pfarrerin Ruth Alber, Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde im Leipziger Süden

Foto: Lotz