Ein Herz für Arme

So würde ich das Wort „Barmherzigkeit“ umschreiben. Es ist ein Wort mit Botschaft. Dabei sind mit den Armen nicht nur jene mit wenig Geld gemeint, sondern auch alle, die arm an Freude, Wertschätzung oder Liebe sind. Ein Herz für diese Menschen zu haben, ist das Wesen von Barmherzigkeit. In diesem Jahr ruft die Jahreslosung dazu auf. Der Vers aus dem Lukasevangelium lautet: „Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“

Ich finde, dass diesem Ruf gerade viele Menschen nachkommen. Wir erleben, sehen und erfahren vielerorts Barmherzigkeit. Morgen am 18. April soll nun nach einer Bitte des Bundespräsidenten vor allem der Verstorbenen gedacht werden, die der Pandemie zum Opfer gefallen sind. Auch das ist ein Zeichen der Barmherzigkeit, wenn wir an der Seite der Hinterbliebenen Anteil nehmen am Leid unserer Mitmenschen. „Wir haben doch gespürt in dieser dunklen Zeit, wie verletzlich wir als Menschen sind und wie sehr wir als Gemeinschaft aufeinander angewiesen sind“, so Steinmeier.

Dass das Gedenken auf den Sonntag gelegt wurde, der in der evangelischen Tradition den Namen „Miserikordias Domini – Barmherzigkeit des Herrn“ trägt, mag zufällig sein und stellt doch die Verbindung zur oben genannten Jahreslosung her. Barmherzigkeit ist – wie wir leider auch beobachten können – keine Selbstverständlichkeit. Sie bleibt Auftrag und Anspruch für uns alle.

Bernhard Stief, Pfarrer der Kirchgemeinde St. Nikolai

 

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