Ein König kommt zu dir?

„Ein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ (Sacharja 9, 9). Das klingt wunderbar. Aber kommt denn wirklich ein König zu uns? Es wäre doch auch einmal schön, wenn ein richtiger König mit Ornat oder vielleicht ein Märchenprinz zu uns käme. Aber wir müssen feststellen: Weder heute noch zum Weihnachtsfest wird uns ein richtiger König besuchen.

Was soll dann dieser Spruch? Nun in der Kirche wird er auf Jesus Christus hingedeutet. Da heißt es: Jesus kommt zu uns. Das Weihnachtsfest steht vor der Tür. Christen erwarten die Ankunft von Jesus Christus. Aber kommt er wirklich?

Weder heute noch zum Weihnachtsfest wird ein junger Mann im Albrecht-Dürer-Outfit an unserer Tür klopfen und sich als Jesus vorstellen. Schließlich soll Jesus schon seit 2000 Jahren kommen, aber wirklich greifbar ist er nicht dagewesen. Vermutlich wird er auch die nächsten 2000 Jahre nicht kommen und die Menschheitsgeschichte in seinem Reich vollenden. Schließlich gibt es in der Welt noch so viel zu entdecken.

Wie kommt nun der König zu uns? Der König kommt nicht in einer äußeren Pracht, aber er kommt in den Ebenbildern Gottes zu dir und zu mir. Gott nimmt sich die vielen Menschen, die er geschaffen hat. Da ist es völlig gleich, welche Hautfarbe sie haben, welchen Bildungsgrad sie besitzen oder welchem Geschlecht sie zugeordnet werden. In jedem Menschen können wir einen Funken von der Barmherzigkeit Gottes entdecken, in der Gott ganz persönlich zu uns kommt.

Pfarrer Dr. Reinhard Junghans, Studieninspektor am Evangelischen Studienhaus

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