Ein Suchauftrag

Die Laternenmasten bei uns in Lindenau sind voller Vermisst-Anzeigen: Katze vermisst, Geldbeutel verloren, Fahrrad weg und die neue Brotbüchse vom Schulanfang. Klar: wenn viele mithelfen beim Suchen, dann ist die Chance größer, dass die Dinge wiedergefunden werden. Wer einmal die Freude bei der Rückgabe miterlebt hat, ist berührt von der Kraft dieses besonderen Moments.

Einen Suchauftrag der besonderen Art verschickte der Prophet Jeremia im Auftrag Gottes an die Verbannten seines Volkes Israel ins ferne Babylon: „Sucht das Wohl der Stadt, in die ich euch weggeführt habe, und betet für sie zum HERRN; denn in ihrem Wohl liegt euer Wohl!“ (Jeremia 29)

Das Wohl der Stadt zu finden ist keine leichte und deshalb eine gemeinschaftliche Aufgabe. Es braucht jede und jeden, damit Frieden, Gerechtigkeit, Wohl, Unversehrtheit, gute Beziehungen und Ausgleich in einer Stadt gefunden werden. All das drückt das hebräische Wort Schalom an dieser Stelle aus. Wo der Schalom ist, dort ist gut leben. Das fängt im eigenen Leben an, in der Familie, im Haus, der Straße, im Stadtteil. Je größer, desto intensiver und gemeinschaftlicher müssen wir suchen.

Suchen und beten sollen wir. Das Gebet erinnert uns: Wir – egal welche Religion, Hautfarbe, Prägung – sind berufen, dem Leben zu dienen, das Gott uns schenkt, an dem Ort, an den er uns geführt hat, zusammen mit den Menschen, die hier leben.

Wer einmal die Freude eines gelungenen Miteinanders erlebt hat, ist berührt von der Kraft dieses besonderen Moments. Davon brauchen wir viele. Suchen und beten Sie mit?

von Pastor André Krause, Baptisten-Leipzig

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