Einander verstehen – über die Sprache hinaus

Wenn ich in meiner alten Heimat bin, falle ich relativ schnell in den dort ansässigen Dialekt. Man versteht mich dort, es klingt vertraut. Ich bin sofort „drin“, wenn ich alte Freunde und meine Familie treffe. Wir begegnen uns quasi auf Augenhöhe, auch wenn die meisten mittlerweile überall verstreut leben. Wenn dagegen einer im öffentlichen Raum mit Dialekt daherkommt, nimmt man ihn oft nicht mehr ernst. Dabei sind Dialekte total spannend.

In der Bibel finden wir die Geschichte vom Turmbau zu Babel, eine kurze Story, nur ein paar Zeilen lang. Die Menschen in Babel bauten einen hohen Turm. So hoch, dass sie dachten, sie könnten sich so einen Namen machen. Gott aber hatte was gegen diese Großbaustelle. Er zwang die Menschen, sich in alle Himmelsrichtungen zu verstreuen. Zu dieser Zeit sprachen die Menschen alle ein und dieselbe Sprache. Doch fortan, auch dafür sorgte Gott, konnten sie sich nicht mehr untereinander verständigen.

Die ganze Geschichte klingt wie eine Strafe. Ich sehe es eher als ein Geschenk an. Wie eintönig wäre es, wenn wir alle die gleiche Sprache sprechen würden? Damit hat die Menschheit ja auch neue Aufgaben bekommen: neue Sprachen lernen und fremde Kulturen kennenlernen.

Und so können wir uns auf vielfältige Weise auf Augenhöhe begegnen. Sowohl in der alten Heimat, im gewohnten Dialekt. Genauso aber auch, wenn wir verschiedene Sprachen sprechen. Und zwar, indem wir einander zuhören und verstehen wollen, wa?!

Maxi Konang
evangelische Kirchenredakteurin bei HITRADIO RTL / Radio Leipzig

Foto: unsplash