EinBlicke

Über Dankbarkeit am Gartentor – Gedanken nicht nur von Wolfgang Menz

„Siebzsch … es zwickt schon öfters,“ sagt er und schließt die Gartenpforte. Ich bleibe stehen und erwidere: „Denken Sie mal: Unsere Nachbarin ist operiert. Der Mann von drüben bereits verwitwet. Wir beide wollen uns mal nicht beklagen.“ „Ja,“ stimmte mein Nachbar zu, „meine Frau und ich leben beide. Noch reicht die Kraft, anderen zu helfen. Gut so. Vor allem: Kein Streit! Ich bin auch sehr dankbar.“

Dann kam dieser Blick. Zum Himmel! Natürlich wissen wir beide, dass da oben nur Luft ist. Dahinter ganz viel. Dann noch mehr unbegreifliche Weite. Wir sind nicht die Typen zum Philosophieren. Am Gartenzaun legen wir auch nicht fest, wo Gott wohl gerade anzutreffen wäre. Wir sagen einfach: im Himmel oder überall.

Unsere Wege trennten sich. Er ging mit seiner Tasche zum Supermarkt – es war kurz vor Mittag. Ich ging mit meinem Werkzeug zum Gemeindehaus – es sollte etwas geleimt werden.

Dieser Blick. Der war genug. Die Richtung stimmte: Weg vom Zwicken und Zaudern. Hin zum Staunen. Es ist ein Geschenk, dass es uns beiden so unverdient gut ergeht. Ich weiß nicht, was mein Nachbar später vom Einkauf nach Hause trug. Das ist seine Sache. Aber ich ahne, was er bereits in seinem Herzen trägt: Unsere gemeinsame Sicht auf Gott und die Welt.

Dafür genügte zwischen uns ein Blick.

Wolfgang Menz, Sozialpädagoge
Kontakt: kolumne@kirche-leipzig.de

 

Foto: Hans-Georg Vorndran (fundus-medien)