Endlich wieder vorankommen …

Ehrlich? Es war ein gutes Gefühl als ich letzte Woche auf meinen Langlaufski stand. Zum ersten Mal in diesem Winter. Und das in Leipzig! Wer hätte das gedacht?

Dort wo andere sich mühsam durch den Schnee kämpften, kam ich mir vor, als flöge ich über die Gehwege und durch die weiß zugedeckten Parks von Leipzig. Stoß um Stoß mit den Stöcken, um ein Vielfaches leichter als zu Fuß, durch den Schnee zu gleiten, fühlte sich unglaublich an.

Endlich wieder vorankommen! Es war fast wie ein Gegenprogramm zum Stillstand der vergangenen Wochen und Monate.

Endlich wieder vorankommen und nicht feststecken im Lockdown, das wünschen sich wohl Viele zurzeit. Endlich wieder Freunde treffen, zur Schule gehen, Theater besuchen, auswärts essen, Geschäfte öffnen, Verreisen, Gottesdienste feiern. Unsere inneren Wunschzettel ließen sich bestimmt noch fortsetzen.

Aber als ich so durch den Wald und am Kanal mit meinen Ski entlang flog, blieb ich dann doch ab und zu stehen. Ganz freiwillig. Ließ mich festhalten und gefangen nehmen von den Eindrücken. Von der eisig-frischen Luft, dem schönen Licht. Von einem verschneiten Baum hier. Von einem kleinen Vogel dort.

Der Unterschied zwischen dem verordneten und dem freiwilligen Stillstand liegt auf der Hand. Aber ich meine, wir brauchen beides. Vorankommen und Stillstehen. Und vielleicht ist es am Ende immer auch eine Frage der Perspektive und wir werden hin und wieder doch (positiv) überrascht. Wie Leipzig vom Schnee in der vergangenen Woche.

Markus Franz, Hochschul- und Studierendenpfarrer, Evangelische Studierendengemeinde Leipzig

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