Es würde etwas fehlen

Menschen mit Down-Syndrom sind ein Geschenk für uns alle, meint André Krause

Ich sitze im Gottesdienst und bin sehr angespannt. Heute steht eine Entscheidung an, die mir viel bedeutet. Plötzlich rückt mein Sitznachbar näher. Ohne ein Wort nimmt er mich in den Arm. Es ist ein junger Mann aus unserer Gemeinde mit Down-Syndrom. Er hat gemerkt, was in mir vorgeht und sagt mir auf seine Weise: Es wird gut.

Sein feines Gespür dafür, wie es anderen geht, berührt mich immer wieder. Er ist entwaffnend ehrlich und direkt, begegnet jedem Menschen unvoreingenommen und offen. Seine herzliche Art steckt alle an. Unsere Gemeinschaft gewinnt so viel mit ihm.

Und doch bleibt eine andere Wirklichkeit: Die meisten Kinder mit der Diagnose Trisomie 21 bekommen keine Chance zu leben. Die komplexe Debatte um Pränataltests und ihre Folgen wird aktuell im Bundestag geführt.

Letzte Woche am 21. März war Welt-Down-Syndrom-Tag. Vielleicht haben Sie Freunde oder Bekannte gesehen, die bunte, nicht zusammenpassende Socken trugen. Sie stehen für Chromosomen und machen sichtbar: Anderssein ist kein Makel, sondern Ausdruck von Einzigartigkeit.

Ich glaube: Jeder Mensch ist ein Geschenk Gottes an die Welt – mit allem, was ihn ausmacht. Kinder mit Trisomie 21 sind besondere Geschenke. Sie anzunehmen braucht Mut und hilfreiche Begleitung auf dem Weg. Mit ihnen gewinnt unsere Gesellschaft so viel an Offenheit, Herz und Freude. Und manchmal auch eine Umarmung.

André Krause ist Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten) Leipzig

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Foto: ChatGPT