Eure Fußstapfen

Annika sagt: „Wir können nicht in Eure Fußstapfen treten!“

Sie sagt es ihren Eltern und all den anderen Erwachsenen. Auch mir. Sie sagt es stellvertretend für ihre Generation. Sie sagt es in voller Überzeugung.

Annika ist 14 Jahre alt und wird diesen Sonntag konfirmiert – wie viele Jugendliche in Leipzig, in Sachsen, in Deutschland in diesen Wochen.

„Wir können nicht in Eure Fußstapfen treten!“ Diesen Satz hören die Eltern und all die anderen Erwachsenen im Gottesdienst, in dem sich die Konfirmandinnen vorstellen. Es ist kein pubertärer Satz – vielleicht ein bisschen – aber mehr noch sind die Worte ein Spiegel für uns.

Wir trauen den Jugendlichen zu, dass sie zunehmend eigene Wege gehen und Entscheidungen treffen. Wir müssen uns kritisch fragen lassen: In welche Welt entlasst Ihr uns da?! Klimakrise, Krieg und Hunger.

Ich finde ja klasse, wie ernsthaft und kritisch Annika und all die anderen uns das vorhalten. Darin könnte ich mich jetzt bequem zurücklehnen und all den Müll der jungen Generation überlassen.

Wahr ist aber auch: Wir Erwachsenen haben unsere Hausaufgaben nicht gemacht. Wir sind unserer Verantwortung für die nachfolgenden Generationen nicht gerecht geworden. Und werden es nach wie vor nicht. Die Herausforderungen werden aber Annika und ihre Generation nicht alleine bewältigen können. Auch das sagt sie: „Wir brauchen Euch dazu!“

Zukunft geht nur gemeinsam zu gestalten. Und wie es im Konfirmationsgottesdienst heißt: Mit Gottes Hilfe.

Anna-Maria Busch, ev. Pfarrerin im Leipziger Südosten

 

Foto: Sabine Wehr (fundus-media)