Fasten braucht kein Miesepeter-Gesicht

Wer jetzt während der Fastenzeit auf etwas verzichtet, hat bis Ostern noch fünf Wochen vor sich. Und für manche wird es irgendwann so richtig hart ohne Süßes, ohne Fleisch oder Alkohol oder ohne Social Media. Und vielleicht erzählen Sie Kollegen und Freunden Tag für Tag von Ihrem Fastenprojekt oder stöhnen ihnen manchmal auch was vor: Ach, wie ich dich um dein Schoko-Törtchen beneide – aber ich faste ja!!!

Solche Leute, die ihr Fasten mit extra miesepetrigem Gesicht zur Schau trugen, die gab es schon zu biblischen Zeiten – und Jesus ärgerte sich über sie: Je mehr Selbstkasteiung durch Fasten, je mieser drauf, desto gottgefälliger? Nein, so eine fromme Angeberei ist nur was für Heuchler, fand Jesus: Macht euer Fasten mit Gott aus, pflegt euch besonders für den Umgang mit Gott – aber nervt nicht eure Mitmenschen damit!

So ganz ist das wohl nicht zu machen – Fasten, ohne dass es jemand mitbekommt! Manchmal müssen Sie es ja schon aus rein praktischen Gründen erklären, dass sie mittags nicht mit zur Bratwurstbude kommen, warum sie abends in der Kneipe Apfelschorle statt Bier trinken, oder wegen Internet-Verzicht für Ihre Facebook-Freunde nicht erreichbar sind.

Und es kann sein, dass Sie ihre Erfahrungen mit jemandem teilen wollen: Welche vegetarischen Rezepte Sie ausprobieren, wie es funktioniert, beim Einkaufen Plastik zu vermeiden (oder auch nicht), oder auch: was Sie in Fastengruppen erleben oder bei Glaubens-Übungen, die manche Kirchgemeinden in der Fastenzeit anbieten. Problematisch wird es, wenn da mitschwingt: Ich bin besser als du: weil ich nämlich faste!

Dabei soll Fasten durchaus auch was mit anderen Menschen zu tun haben. Verzicht zu üben, Gewohntes auf dem Prüfstand zu stellen, herauszufinden, was wirklich wichtig ist – das alles soll mehr sein als eine Wellness-Übung für Leib und Seele. Dafür nennt die Bibel Beispiele. Gott gefällt es, wenn Fasten zur Gerechtigkeit beiträgt, sagt der Prophet Jesaja: wenn Menschen andere vom Unrecht befreien, mit den Hungrigen ihr Brot brechen, und wenn sie friedlich miteinander umgehen. Also: wenn es Ihnen und anderen durchs Fasten nicht schlechter geht – sondern besser!

Friederike Ursprung, evangelische Kirchenredakteurin Radio PSR

Grafik: Pfeffer