Frei und gebunden

Sommer, Reisen, die Freiheit von Pflicht und Arbeit genießen! Klar, dass Einschränkungen jetzt besonders stören. Die Masken nerven, ersehnte Reiseorte sind nicht erreichbar. Das sind wir nicht gewohnt. Deshalb hinterfragen wir, wollen Zusammenhänge verstehen; wollen wissen, warum die Regeln so sind wie sie sind. Und werden dann doch nicht alle einer Meinung sein…

Es ist das Großartige an der demokratischen Gesellschaft, dass der Einzelne sich die Freiheit nehmen kann, Dinge anders zu beurteilen als andere. Dazu muss der Raum sein, denn Individualität ist Teil unseres Zusammenlebens.

Das braucht als Gegenstück die Bereitschaft, Fakten zu prüfen, die Offenheit, auf andere Meinungen zu hören, und die Sensibilität, sich in den anderen hinein zu versetzen.

Und damit ist immer noch keine einfache Antwort zu haben, auch keine, die unverändert gilt. Freiheit erfordert die Bereitschaft, sich anfragen und verändern zu lassen. Sie stellt uns auf das freie Feld der selbst zu verantwortenden Entscheidung.

Diese Art, Freiheit zu leben, steht in der christlichen Tradition. Freiheit ist nicht ohne Bindung zu haben: an den Nächsten oder Übernächsten, dessen Gesundheit eben nicht egal ist und an Gott, der Menschen verbindlich aneinander verweist: niemand ist allein unterwegs. Was uns offensichtlich äußerlich einschränkt, gibt denen Schutz und Sicherheit, die dessen bedürfen.

Jetzt ist die Zeit, in dieser Freiheit neue Formen des Miteinanders zu probieren, die unsere Gesellschaft zu einem guten Ort für alle machen; und das nicht nur im Sommer.

Jutta Michael, Pfarrerin für Bildungsarbeit auf dem Campus forum thomanum

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