Gedanken zum Wochenende

Am 8. Mai ist der Zweite Weltkrieg 73 Jahre vorüber. Dieser Tag sollte uns als Tag des Erinnerns wichtig bleiben. Nach wie vor gilt, was Bundespräsident v. Weizsäcker 1985 vor dem Deutschen Bundestag gesagt hat: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“

Gedenktage erwecken vielleicht den Eindruck, als solle jeder neuen Generation die Last einer Schuld, die nicht die ihre ist, weitervererbt werden. Vielmehr geht es aber um das u.a. in der Bibel überlieferte Wissen: Wo die Erinnerung an erfahrene Hilfe und Rettung abreißt, ist es mit der Ruhe schnell zu Ende. So bleibt eine Aufgabe immer bestehen: die Erinnerung an die äußerste Unmenschlichkeit in Impulse der Menschlichkeit zu verwandeln. In der Bergpredigt verheißt Jesus denen Glück und Seligkeit, die Frieden stiften, die sich also aktiv an dem beteiligen, was dem Frieden dient. Nichts anderes haben die Väter (und Mütter) unseres Grundgesetzes getan, indem sie ihre unterschiedlichen Erinnerungen an das im Krieg Erlebte in die Verhandlungen eingebracht haben. Am 8. Mai 1949 wurde es vom Parlamentarischen Rat verabschiedet und der Weg dafür bereitet, bis heute als Verfassung zu dienen. Insofern gibt auch dieses Jubiläum Anlass zum Nachdenken: Was heißt es konkret, Frieden zu stiften? Die Bemühungen um politische Konzepte für Friedensstrategien in den Kriegsgebieten des Nahen Ostens sind dabei das eine. Nahezu genauso viel Anstrengung aber ist gefragt, um (sozialen) Frieden in unserer Gesellschaft zu bewahren bzw. aktiv zu stiften. Was Bundespräsident v. Weizsäcker dabei zum Ende seiner Rede den jungen Leuten auf den Weg gab, ist immer noch aktuell und liest sich wie ein Kommentar zum Wort Jesu „Selig sind, die Frieden stiften“: „Es gibt keine endgültig errungene moralische Vollkommenheit – für niemanden und kein Land! Wir haben als Menschen gelernt, wir bleiben als Menschen gefährdet. Aber wir haben die Kraft, Gefährdungen immer von neuem zu überwinden. Hitler hat stets damit gearbeitet, Vorurteile, Feindschaften und Hass zu schüren. Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass gegen andere Menschen, gegen Russen oder Amerikaner, gegen Juden oder Türken, gegen Alternative oder Konservative, gegen Schwarz oder Weiß. Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.“

Britta Taddiken, Pfarrerin an der Thomaskirche Leipzig

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