Gefragt und gewagt

„Na, wie geht’s?“ Lange haben wir uns nicht gesehen, einige Jahre wohl. Aber wir erkennen uns auf dem Gehweg schon von weitem. Schritt für Schritt kommen wir einander näher. Eilig überlege ich, was ich jetzt sagen soll. Als wir noch zwei oder drei Meter auseinander sind, höre ich diese Frage, knapp und schnell gesprochen. Sie wird ein bisschen zu früh gestellt, finde ich. Es kommt mir vor wie ein Wettlauf. Wer die drei Worte zuerst ausspricht, kann sich absichern, in Ruhe nachdenken und gewinnt Zeit. Oft liegt unter der hastig ausgesprochenen Frage: „Frag bloß nicht mich.“ Zugleich schwingt Neugier mit: „Wer bist du?“ Da stehe ich nun und muss antworten. Was war wichtig und was unwichtig in letzter Zeit? Welcher Grad Intimität ist angemessenen? Wieviel will ich preisgeben? Die ehrliche Antwort auf die Frage „Wie geht’s?“ ist immer auf Vorschuss. Die Tür zum Herzen geht auf ohne Sicherheit. Wer sich das traut, der vertraut. Was dann geschieht gleicht einer Bewegung, die in der Bibel an einigen Stellen zu finden ist. Dort rufen und antworten Mensch und Gott einander ganz ähnlich. Im folgenden Gespräch wächst neues Leben. Die Frage „Wie geht’s?“ macht munter. Weil sie vermuten lässt: hier möchte mir jemand näherkommen. Unerwartet öffnen sich Wege zueinander, wenn die Frage so gehört wird.

von Lüder Laskowski, Pfarrstelle für „Kirchliche Arbeit in neuen Stadtquartieren“

 

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