Gut, dass nicht alles gelingt

Wenn alles so ist wie alle Jahre wieder, dann müsste inzwischen das Abschiednehmen von den ersten Neujahrsvorsätzen begonnen haben. Bei mir schon. Es wird noch zwei, drei kleine Neustartversuche geben, aber dann ist es vorbei. Wie nahezu immer.

Dieses regelmäßige Scheitern an den eigenen Vorhaben – nicht nur Neujahr – kann einen angesichts der eigenen Schwäche schon frustrieren. Muss es aber nicht. Denn hinter unseren zahlreichen Pläne-schmieden und Vorsätze-fassen steckt ein merkwürdiges Konzept. Es geht davon aus, dass ich allein mein Leben gestalten und vorausberechnen kann, dass alles allein in meiner Hand liegt. Natürlich bin ich der Hauptakteur meines Lebens, der Löwenanteil, was in meiner Biographie wie geschieht, liegt bei mir. Aber es gibt auch das Andere, was ohne mein Planen geschieht. Es gibt die Anderen, die mitbestimmen, wie die Dinge laufen. Und es gibt das nicht vorhersehbare Überraschende. Viele nennen es „Zufall“, der Glaubende spricht eher von Gottes Wirken oder – etwas altmodisch – von „Fügung“.

Alle diese Dinge – Umwelt, Mitmenschen, Entwicklungen und Gottes Wirken – haben Einfluss auf mein Leben und sorgen immer wieder dafür, dass die besten eigenen Vorsätze und die perfekten Planungen nicht funktionieren. Das mag oft ärgerlich sein, manches Mal geschieht es aber auch zu unserem Glück. Denn für mich zählt zu Gottes gutem Handeln nicht nur, dass er die richtigen oder neue Wege weist, sondern immer auch, dass er den Menschen bremst, der im Begriff ist, in die falsche Richtung zu gehen, in Sackgassen abzubiegen oder die ganze Kraft in etwas zu legen, was ihn am Ende nicht weiterbringt. Viel zu selten fragen wir Menschen im privaten Alltag, im beruflichen Umfeld, im gesellschaftlichen oder politischen Engagement, ob das, was wir vorhaben, wirklich das Richtige ist. Und die wirkliche Tragweite von Entscheidungen können wir ohnehin immer weniger abschätzen.

Aus diesem Grund werde ich mir angesichts meiner Vorsätze, die ich auch im vergangenen Jahr nicht umgesetzt habe, für 2019 einen ganz neuen wählen: ab und zu am Ende des Tages werde ich Gott danken für die Vorhaben und Ideen, die nicht geklappt haben. Vermutlich will er mich dadurch vor Schlimmeren bewahren.

Propst Gregor Giele, Propsteikirche St. Trinitatis

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