Hätte, hätte? Fahrradkette!

In den Tagen um Ostern kommen immer viele Jesusfilme im Fernsehen. In einem dieser Filme ist Jesus unterwegs mit seinen Jüngern und Jüngerinnen. Sie kommen auf dem Weg an vielen Holzkreuzen vorbei, bestimmt für Kreuzigungen. Und Jesus geht zu einem Kreuz hin, lehnt sich daran, streicht vorsichtig darüber. Jesus von Nazareth, von Beruf Zimmermann, sagt: „Gutes Holz. Kein Astloch darin. Was man aus diesem Holz hätte machen können? Einen schönen Tisch oder eine Tür, die in einen neuen Raum führt …“.

Diese Szene berührt mich. Weil unsere Welt gerade wieder so voller Kreuze ist. Weil wir es immer wieder hinbekommen, das, was uns gegeben ist, statt in Segen in Fluch zu verwandeln.

Ich kenne einige Zimmerleute. Und ich staune immer noch über den wunderbaren Holzkinderspielplatz, den zwei von ihnen gebaut haben. Oder ein Beispiel von vor ein paar Tagen. Gerade waren in einer Schule in Sellerhausen 100 Flüchtlinge angekommen. Und nun ein Treffen – wie können wir helfen? Es waren überwältigend viele da. „Ich könnte unterrichten, sagte eine. „Ich kann Fahrräder, die Leute hier abgeben, auffrischen“, sagte ein anderer.

Erzählen wir uns in diesen Zeiten, die voll sind mit schlimmen Nachrichten, immer unbedingt auch die anderen, die guten Geschichten. Denn damit hüten wir die Hoffnung, dass wir doch alle eigentlich Türen in neue Räume bauen können.

von Grit Markert, Pfarrerin im evangelisch-lutherischen Alesius-Kirchspiel im Leipziger Osten und Coach

 

Foto: Christian Schönfeld (Fundus)