Heiland?

In Liedern und Geschichten zum Advent ist oft vom „Heiland“ die Rede. Bis zum Heiligabend, wenn es in der Weihnachtsgeschichte heißt: „… denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der HERR, in der Stadt Davids.“ Als Kind hatte ich lange keine Ahnung, was das Wort bedeuten sollte, aber es hörte sich wohltuend an und ich verband mit ihm ein angenehmes Gefühl.

Wenn ich heute nach diesem Gefühl suche, finde ich es ganz woanders. Dann sitze ich abends lesend. Mein mittlerer Sohn geht vorbei und fährt mir unerwartet mit seinen Fingerspitzen durchs Haar. Eine komische Angewohnheit könnte man denken. Aber was sie in mir auslöst ist erstaunlich. Es rieselt mir den Rücken hinunter vom Scheitel bis zur Zehe. Wärme breitet sich aus. Fast meine ich für einen Moment zu schweben. In dem kleinen Ereignis erfasst mich eine große Erkenntnis. Wenn ich mich wohl auf dieser Welt und in meinem Leben fühle, dann sind dafür viel häufiger andere verantwortlich, als ich selbst.

Die Tragweite dieser Erfahrung muss man erst einmal zulassen können. Sonst sind wir ja für alles immer selbst zuständig. Legen viel Wert darauf, die Dinge möglichst fest in der Hand zu behalten. Hilfe annehmen ist eine schwierige Sache. Im Advent ist „der Andere“ mit dem alten Wort „Heiland“ benannt, auf den wir warten, damit er uns rettet und segnet. Das kribbelt und wärmt.

Lüder Laskowski, Pfarrstelle für „Kirchliche Arbeit in neuen Stadtquartieren“