Heißt „gerecht“: Dir geht’s schlecht???
Von Friederike Ursprung
Vor Jahren habe ich mal diesen Kanon kennen gelernt:
„Ach, die Welt ist ungerecht!
Dir geht’s gut, und mir geht’s schlecht!
Wär‘ die Welt etwas gerechter,
ging’s mir besser – und dir schlechter!“
Seither ploppt in meinem Kopf oft dieser Reim auf, der wohl witzig gemeint ist – und der doch in manchen Nachrichten gruseliger Ernst scheint: Wär‘ die Welt gerechter – ging’s dir schlechter!
In Debatten um Reformen, Sparen, um die Rechte und Bedürfnisse von armen, zugewanderten, queeren oder behinderten Menschen – da entdecke ich häufig diese Art von Missgunst.
So, als könnte ich nur dann zufrieden sein, wenn du weniger hast als ich. So als schränkte es mich ungerecht ein, wenn du zu deinem Recht kommst. Also: So, als bedeutete Gerechtigkeit. dass ich auf andere herabschauen kann – oder sogar auf ihnen herumtrampeln.
Ja, klar glaube ich, dass Besitz und Privilegien ungerecht verteilt sind. Dadurch geht es vielen Menschen schlecht – und Umwelt und Klima auch. Also glaube ich: es ist gerecht, zu teilen und vom Überfluss abzugeben, so dass es anderen hilft, dass alle gut leben können – ohne Raubbau an der Erde und an Menschen. Würde es dadurch tatsächlich irgendwem schlechter gehen?
Wie wär’s also mit diesem Reim?:
„Es gibt doch genug zum Leben!
Wär‘ Gerechtigkeit gegeben,
ging’s dir gut, genau wie mir
Setzen wir uns ein dafür!“
Friederike Ursprung ist evangelische Kirchenredakteurin bei RADIO PSR
Foto: pixabay



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