„… hilf Du mir, so ist mir geholfen.“

Ziemlich heftige Wochen liegen hinter uns als Evangelischer Kirche in Sachsen. Am Montag hat die Kirchenleitung das Rücktrittsangebot von Landesbischof Dr. Rentzing angenommen. Diejenigen, die am Ende die Entscheidung darüber herbeizuführen und sie zu kommunizieren hatten, wirkten im Fernsehen verunsichert und hin-und hergerissen zwischen dem, von dem sie wussten: „Wir müssen das jetzt tun“ und dem, was ihnen eigentlich behagte. Das ist nachvollziehbar, geht es hier doch auch um eine persönliche Lebensgeschichte und wie man sowohl als Betroffener als auch als Außensteher damit umgeht.

Nun ist eine Entscheidung gefallen – und unsere Kirche steht nicht nur vor der Frage: Wer wird neue Landesbischöfin/oder neuer Landesbischof? Wer vermag diese vielfältige und Gegensätze in sich vereinende Kirche in guter Weise zu führen? Vielmehr wird es jetzt auch um Fragen gehen, die den Debatten um den Verbleib oder Rücktritt von Dr. Rentzing eher im Verborgenen eine Rolle gespielt haben: Wie sieht der Leitungs-und Führungsstil in unserer Kirche überhaupt aus? Was wäre hier vielleicht zu ändern? Welche Themen wollen wir in diesen Zeiten setzen, was ist die Aufgabe von Christenmenschen in einer sich immer mehr spaltenden Gesellschaft? Wie gehen wir selbst als Betroffene damit um und finden Wege zum friedlichen-streitbaren Dialog?

Bevor wir über „Brückenbau“ sprechen, sollten wir uns auch etwas Zeit nehmen, über den dazwischen fließenden Fluss zu sprechen. Was in unserer Gesellschaft im Großen dran ist, ist in unserer Kirche im (damit verglichenen) Kleinen dran. Dazu brauchen wir Besonnenheit, aber vor allem Mut. Und das Bekenntnis dazu, dass niemand im Besitz der Wahrheit ist oder allein die Lösungen weiß, die in jetzt vielleicht auch erst mal schmerzvollen Gesprächen miteinander gefunden werden müssen. Das kann einen schon verunsichern – auch, weil Umfang und Tiefe der Diskussion noch nicht absehbar sind. Aber: Da müssen wir jetzt durch.

Der Wochenspruch aus dem Propheten Jeremia für die kommende Woche gibt uns da die Grundhaltung vor, in der wir es auch schaffen werden: „Heile du mich Herr, so werde ich heil; hilf Du mir, so ist mir geholfen.“ (Jer 17,14)

Pfarrerin Britta Taddiken, Kirchgemeinde St. Thomas Leipzig

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