Hinhören statt Hinbiegen

Von Gregor Heidbrink

Eine Ankaufplattform im Internet hat die Liste der mutmaßlich unbeliebtesten Weihnachtsgeschenke des vergangenen Festes veröffentlicht. Das sind Dinge, die die Leute schneller im Internet reinstellen, als sie ihren Baum abschmücken. Diesmal landet auf Platz eins das Buch von Stefanie Stahl: „Das Kind in dir muss Heimat finden: Der Schlüssel zur Lösung (fast) aller Probleme“.

Mich wundert das nicht.

Abgesehen davon, dass niemand heutzutage Weihnachten feiern würde, wenn damals das Kind eine Heimat gefunden hätte, Stichwort Stall und Krippe. Auch haben die Hirten nicht mit Zaunpfählen gewunken. Wie kommt man auf den Gedanken das Fest der Liebe zu nutzen, nach dem Motto: „Es ist Zeit, dass du dich um diverse von mir diagnostizierte Probleme kümmerst?“ Statt einfach ein paar Tage lang einander Heimat zu bieten. Und erstmal zuhören, da sein, ein Gegenüber sein. Mit einer Haltung, so wie es unsere Ehrenamtlichen in der Telefonseelsorge tun. Die wissen im Zweifelsfall auch nicht, wie man dein Problem löst. Die können es aber eine Weile mit ankucken und aushalten. Und die wissen auch: Vor der Begegnung mit dem Inneren Kind steht der Innere Schweinehund.

Dennoch, wer freie Exemplare verfügbar hat, den bitte ich um eine Buchspende zugunsten der Bibliothek des Weißen Hauses, 1600 Pennsylvania Avenue NW, Washington, D.C. Einen Versuch ist es wert.

Gregor Heidbrink, Missionsdirektor des Diakonischen Werkes Innere Mission Leipzig e.V.

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Foto: Pixabay