Hoffnung über den Tod hinaus

In diesen Tagen gehen viele Menschen auf den Friedhof. Dabei wird manchen das Herz schwer, weil sie durch die Endgültigkeit nichts Hoffnungsvolles mehr erkennen können. Und doch wollen sie innehalten am Grab eines lieben Angehörigen. Nach schwerer Krankheit das Ende zusammen erlebt. Oder „Plötzlich und unerwartet“. Fassungslosigkeit macht sich breit. Ein letzter Blick ins offene Grab. Ein Blumengruß. Dabei Hinterbliebenen menschliche Nähe spüren zu lassen, hilft mehr als manch steif wirkendes Kondolenzwort. So jedenfalls habe ich es am Grab meiner Mutter erfahren.

Abschied am Grab eines geliebten Menschen tut weh. Manch einem kommt der Gedanke an ein mögliches Wiedersehen. Unbegründet ist diese Vorstellung nicht, jedenfalls für jemanden der glaubt, dass es nach Gottes Plan geht und für Gott unser Ende nicht das Ende ist.

Die Bibel berichtet, dass ein reumütiger Verbrecher als erster (und einziger!) von Jesus am Kreuz die Zusage erhielt: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein“. Ein Versprechen, das so eindeutig nicht einmal die engsten Vertrauten von Jesus bekommen haben. Rettung in letzter Minute. Gerade Menschen, bei denen sich Einsamkeit wie ein schwarzer Vorhang über die Seele gelegt hat, weil ihnen die Endgültigkeit des Todes zur Gewissheit wurde, wünsche ich, dass sie von dieser Zusage Jesu erfahren. Auch kurz vor dem Tod kann eine Hinwendung zu Gott die Rettung sein. Weil die Liebe Gottes verschlossene Türen zum Paradies auch noch in letzter Minute aufstoßen kann! Mit solchen Zukunftsaussichten verliert das Verweilen an einem Grab seine grausame Endgültigkeit.

Wolfgang Erler, Prädikant in der Kirchgemeinde Plaußig-Hohenheida

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