Hoffnungsvolle Pflänzchen

“Papa kuckt mal wieder Blümchen aus der Erde” – so nannten wir es, wenn mein Vater gedankenverloren die Pflanzen im Garten betrachtete, die er liebevoll hegte und pflegte – oft die ganz zarten Knospen und Triebe. Oder die, die hoffnungsvoll neu austrieben, nachdem Wind oder Frost ihnen zugesetzt hatten (manchmal auch wir Kinder beim Spielen). Seine Pflänzchen – selbst die ganz kümmerlichen – goss und düngte und stützte er mit viel Zuwendung, Liebe und Hoffnung. Und so hat er es auch mit uns als seinen Kindern gemacht, und mit den Menschen, die er im Leben begleitete.

Ich habe keinen Garten, aber seit dem vorigen Frühling mache ich es oft wie mein Vater: Bei Spaziergängen nach dem Home-Office-Feierabend beobachte ich, wie Knospen und Blüten im Park wachsen und sich öffnen – ich glaube: genauer als in früheren Jahren. Ich freue mich über das, was hoffnungsvoll wächst, nicht nur aus dem Boden und an Bäumen. Ich sehe auch, was gerade verkümmert und eingeht – oder wo sich vielleicht doch wieder zaghaft ein Blättchen raus streckt. Kann es überleben und stärker werden?

Hier eine hoffnungsvolle, da eine besorgte Nachricht. Hier eine Schließung, da neue Ideen und Anfänge. Was entwickelt sich daraus? Was gefährdet sie? Was kann sie stärken?

Und dann denke ich beim Frühlingsspaziergang an meinen Papa mit seinem Vertrauen und seiner Zuversicht: da kann was wachsen und aufblühen!

Friederike Ursprung, Evangelische Kirchenredakteurin Radio PSR

 

Foto: Okapia