Im Wechselbad

Wir hatten uns zufällig auf der Straße getroffen und unterhielten uns entspannt. Breit lachend erzählte mein Bekannter von Reparaturarbeiten im Keller, als er in den letzten Tagen nach Hause kam. Laute Schläge krachten von unten gegen die Decke. „Was machen die denn da?“, so fragte er in die Wohnung. Daraufhin steckte seine achtjährige Tochter den Kopf durch die Küchentür und rief: „Die hämmern das neu.“

Eigentlich ein sicherer Lacher. Wirklich originell. Kräftige Hammerschläge mit dem Gedanken der Erneuerung verbunden. Aber der Satz war dort auf der Straße kaum ausgesprochen, da sahen wir einander in die Augen mit flackerndem Blick. Wie missverständlich. In der Ukraine herrscht Zerstörung und ein Neues ist nicht abzusehen. Wir schwiegen betreten, in einer Mischung aus Furcht und Scham.

Heute am Tag des Aprilscherzes fällt besonders auf, wie groß der Kontrast unterschiedlicher Gefühle zur Zeit ist. Das Leichte ist weg und die Frage nach dem rechten Maß stelle ich mir mehrmals am Tag. Die Bibel rät zu Unmittelbarkeit. Im Brief an die Gemeinde in Rom schreibt der Apostel Paulus: „Lacht mit den Lachenden und weint mit den Weinenden.“ Das ist auch ein Gottesdienst.

von Lüder Laskowski, Pfarrstelle für „Kirchliche Arbeit in neuen Stadtquartieren“ in Leipzig

 

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