Johannes der Täufer

Liebe Leserinnen und Leser,
am dritten Adventssonntag steht in der evangelischen Kirche derjenige im Mittelpunkt, der als Vorläufer Jesu gilt: Johannes der Täufer.

An ihm schätze ich seine heilige, auf Gott bezogene Klarheit. Sie beginnt schon vor seiner Geburt, als die überraschten und für die Gründung einer Familie schon viel zu alten Eltern Zacharias und Elisabeth realisieren, dass im Leben immer mehr möglich ist als man glaubt. Als Erwachsener meidet Johannes dann alles, was ihn in die Abhängigkeit führen oder Verlustängste in ihm auslösen könnte. Er spricht Klartext mit denen, die wider besseres Wissen handeln. Er fordert alle, die genug haben, zum Teilen auf. Die Zöllner weist er an, nicht mehr zu nehmen, als geboten ist und warnt sie vor den Folgen von Betrug und Bereicherung. Lebenslang bleibt er unbequem und deckt die Widersprüche auf, in denen wir uns verstricken: Wir wissen genau, was eigentlich geboten und gut wäre und wie man gerechte Verhältnisse schaffen könnte. Aber wir tun es nicht, sondern halten vielmehr fest, was wir haben – aus Angst, es verlieren zu können. Johannes sagt klar: So wird es nichts, so wird Eure Gesellschaft nicht bestehen können. Ihr wisst es selbst – eigentlich. Und so ruft er zur Umkehr aus dieser Haltung auf, sagt zugleich aber auch: Das ist noch nicht das Evangelium. Auch hier ist er klar und weist von sich weg auf den, den er taufen wird: Jesus Christus.

Johannes der Täufer: Taugt er als Vorbild für das, wie wir leben können – als Gemeinschaft bzw. als Einzelne? Auch wenn seine Lebensweise (ohne Besitz und basierend auf einer Ernährung aus wildem Honig und Heuschrecken) nichts für uns ist, so tut es unserer Welt gut, wenn wir uns etwas von seiner Haltung aneignen: unbedingt, klar und manchmal unbequem einzutreten für das, was für Jesus das ganze Gesetz und die Propheten ausgemacht hat – für die Liebe zu Gott und dem Nächsten. Es gilt, immer wieder neu zu fragen und darum zu ringen: Wie können wir das jetzt und hier bei uns leben?

In den Gottesdiensten am dritten Advent werden wir in unseren Kirchen darüber nachdenken. Suchend, streitend, mit Lust und Freude – und hoffentlich auch in der beschriebenen johanneischen Klarheit!
Eine gesegnete Advents-und Weihnachtszeit wünscht Ihnen Ihre Britta Taddiken.

Pfarrerin Britta Taddiken, Ev.-Luth. Kirchgemeinde St. Thomas Leipzig

Foto: Ev.-Luth. Kirchenbezirk Leipzig