Kleiner Mann, was nun?

Die große Koalition für die Kleinen Leute diskutiert gerade darüber, was Armut ist. Gibt es die überhaupt in unserem Land oder sind alle Menschen ausreichend versorgt? Vermutlich ist es der große Abstand zwischen oben und unten, wodurch es nicht möglich ist, genau zu sehen, wie Armut zustande kommt.

Muss in einem Land, in dem die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren rapide gesunken ist, noch jemand arm sein? Die Strukturen, die dahinter stecken, bleiben häufig ausgeblendet. Der Blick von unten zeigt klar, was Armut ist und woher sie kommt.
Der Arbeitsmarkt versucht beste Fachkräfte so billig wie möglich zu bekommen. Zeitarbeiter bei großen Unternehmen, die weltweit Milliardengewinne einfahren, bekommen für ihre Arbeit den Mindestlohn. Die Gier nach großen Gewinnen ist maßgebend. Niedrige Löhne aber ergeben niedrige Renten. Menschen müssen neben der Arbeit aufstocken, Rentner sind auf Grundsicherung angewiesen.
Es ist eine Illusion zu glauben, dass Wirtschaftswachstum und mehr Arbeitsplätze an sich das Problem lösen. Steigende Mieten verschärfen es. Für Geringverdiener wird es immer schwieriger bezahlbaren Wohnraum zu finden. In Leipzig geht derzeit bei vielen Menschen die nicht unbegründete Angst um, das Zuhause nicht mehr bezahlen zu können. Die Immobilienbranche boomt und der soziale Wohnungsmarkt ist viel zu schwach, diese Risiken aufzufangen. Nicht nur Randgruppen werden davon betroffen sein, sondern immer mehr Familien, Alte und ganz normale Durchschnittsverdiener.
Das muss auf die Agenda der großen Koalition für die Kleinen Leute. Das Recht auf angemessenen Wohnraum, auf ein Zuhause, ist ein Menschenrecht. ( Artikel 25  der UNO-Menschenrechte)

Die Bibel bezieht eindeutig Position für Arme. Es gibt keine Diskussion darüber, ob sie selbst schuld sind oder nicht.  Arme Menschen stehen unter dem besonderen Schutz Gottes. In jahrtausendealten biblischen Sozialgesetzen wird die Würde des Menschen nicht als allgemeine Wohltat, sondern als Rechtanspruch festgelegt. Unsere Kirchen sollten sich deshalb deutlich vernehmbar einmischen und Gerechtigkeit anmahnen. Immer wieder! Das ist der Auftrag einer prophetischen Kirche, wenn sie als Kirche Jesu erkennbar bleiben will.

„Schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind… Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt“ (Träume von Günter Eich)

Herzliche Einladung zum Friedensgebet der Kirchlichen Erwerbsloseninitiative Leipzig am Montag, dem 7. Mai 2018, 17 Uhr, in der Nikolaikirche.

Dorothea Klein, Sozialberaterin der Kirchlichen Erwerbsloseninitiative Leipzig (KEL)

Foto: Kirchenbezirk Leipzig