Kulturelle Vielfalt

„Es waren aber in Antiochia in der Gemeinde Propheten und Lehrer, nämlich Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Luzius von Kyrene und Manaën, der mit dem Landesfürsten Herodes erzogen worden war, und Saulus.“ (Apostel 13,1)

Eine transkulturelle und transethnische Gemeinschaft: das ist die junge christliche Bewegung, wie sie sich im 1. Jahrhundert in Antiochia, der heutigen türkischen Stadt Antakya an der Grenze zu Syrien, herausbildet. Zur multikulturellen Gemeindeleitung von „Propheten und Lehrern“ gehören nicht nur Barnabas und Saulus als Christusnachfolger aus der jüdischen Gemeinschaft, sondern mit Manaën auch ein vermutlich griechisch geprägter Jude sowie zwei Afrikaner: Luzius aus der nordafrikanischen Stadt Kyrene, und Simeon, mit dem Beinamen „Schwarzer“, also jemand, der aus noch südlicheren Teilen Afrikas stammt.

Die christliche Gemeinde ist etwas „Drittes“, das sich den üblichen Zuordnungen entzieht und vorher relevante Abgrenzungen überschreitet. In ihr wachsen die Verschiedenen als Verschiedene zu einer Gemeinschaft zusammen. Später heißt es dann: „In Antochia wurden die Jünger zum ersten Mal Christen genannt“.

Mir tut es gut, sich daran zu erinnern, dass kulturelle Vielfalt ein entscheidender Wesenszug der christlichen Gemeinschaft ist. Man kann es leicht vergessen, wenn und weil man sich selbst und seine Bezugsgruppe zum Normalfall, zur bestimmenden Norm macht. Deshalb freue ich mich in den jetzt in Leipzig beginnenden Interkulturellen Wochen auf Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen und ihren vielfältigen Traditionen. Die Vielfalt unserer Welt zu erleben: das finde ich unheimlich bereichernd.

Ravinder Salooja, Evangelisch-Lutherisches Missionswerk Leipzig e.V.

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