Lachen in der Kirche?

„In der Kirche lacht man nicht!“, ermahnt die Mutter ihre kleine Tochter, als sie die kleine Dorfkirche betreten und das Mädchen lachend durch den Mittelgang hüpft. Erschrocken hält es inne und geht langsam weiter. „Aber der dort lacht doch auch!“ sagt sie und zeigt auf ein altes Fresko an der Wand. Gemeinsam gehen sie etwas näher heran und dann erkennt es auch die Mutter: Das Fresko zeigt ein Narrengesicht mit weit geöffnetem Mund und Schellenkappe. Jahrhundertelang galt Lachen in der Kirche als Tabu. Jahrhundertealt ist aber auch jenes Fresko in einer kleinen Dorfkirche auf der dänischen Insel Ærø. Ursprünglich führte durch den offenen Mund ein Glockenstrang. Die Glocke wurde während der Abendmahlsliturgie geläutet, wenn Brot und Wein sich mit der Gegenwart Jesu verbinden. Denn es ist so unfassbar und zugleich so wahr, dass Jesus in Brot und Wein gegenwärtig ist, dass dies nur auf schallendes Gelächter treffen kann und zugleich auf tiefe Freude. Denn sollte Gott etwas unmöglich sein? Das Lachen ist eine der schönsten Gaben, mit denen Gott die Menschen ausgestattet hat. Was sonst kann Schweres leichter machen? Was sonst kann Menschen über sprachliche und kulturelle Schranken hinweg verbinden wie ein Lächeln oder gemeinsam zu lachen. Und wenn am Sonntag um 18 Uhr in der Peterskirche zum ersten Mal Bibel auf Kabarett trifft, wird sich auch bei Gott ein Lächeln zeigen, wie es sich gezeigt hat, als das kleine Mädchen lachend in sein Haus gehüpft kam.

von Pfarrerin Christiane Dohrn, Kirchgemeinde St. Petri

 

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