Lasst uns ackern!

Im Spätsommer und beginnenden Herbst werden Erntedankfeste angeboten. Früchte des Feldes und des Gartens werden in die Kirchen getragen und schmücken diese festlich-bunt. Die Erde bringt Pflanzen und Früchte hervor. Dafür wird Gott gedankt. Der Ökumenische Tag der Schöpfung, der gestern gefeiert wurde, läutet diese besondere Zeit ein. Gärtner und Bauern wissen: Pro Jahr gibt es eine bestimmte Menge. Ist diese verbraucht, muss auf das nächste Jahr gewartet werden. In diesem Herbst blicken viele auf die lange Hitze- und Trockenperioe im Sommer zurück. Die meisten sprechen über Ernteeinbußen. Die Ressourcen sind begrenzt – reichen aber für alle.

Bereits am 2. August diesen Jahres wurden rechnerisch alle Rohstoffe verbraucht, die innerhalb eines Jahres nachwachsen können. Jeder sieht: Das darf nicht so weitergehen – genauso wenig wie der Verpackungswahnsinn, der kleinste Lebensmittelportionen in nicht recycelbare Folien hüllt. Gesellschaftliches Wachsen und Gedeihen liegt in menschlicher Hand. In unserem Land, in dem die (vor allem extremen) politischen Lager mit immer neuen Meldungen die Medien zutexten und damit für Frust auf die Politik sorgen, gehen die drängenden sachpolitischen Fragen unter.

Der Mensch ist kein Risikofaktor für sachlich gute Politik, aber er wird zunehmend ein Risikofaktor für die Umwelt. Hier braucht es eine höhere Verantwortungsbereitschaft. Die Menschen in diesem Land machen sich Sorgen wegen der zunehmenden Nitratbelastung des Grundwassers, wegen der häufigeren Dürreperioden und Extremwetter und auch wegen der Überlastung der Straßen und Autobahnen durch Transportfahrzeuge.

Verantwortliche Sachpolitik sollte zum bestimmenden Thema in den Medien werden. Sie muss gestalten, wie dieses Land die genannten Herausforderungen bewältigen kann.

In der Bibel heißt es: „Alle eure Sorgen werft auf ihn (Gott), denn er sorgt für euch“ (1. Petrusbrief 5,7). Christlich gedacht kennt Gott das System der Schöpfung und weiß, wie alles aufeinander bezogen ist und einander braucht: In der Natur und in der Gesellschaft. Gott sei Dank wachsen Pflanzen und Früchte – gesellschaftliches Gedeihen in diesem Land liegt in unserer Hand. Lasst uns ackern!

Jörg Sirrenberg, Pfarrer in Leipzig-Marienbrunn

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