Leben wie Löwenzahn

In Krisenzeiten hungern wir nach Licht und Farbe. Haben Sie auf ihren letzten Spaziergängen in der Natur das kräftige Gelb des Löwenzahn bemerkt? Seit früher Zeit galt die Pflanze als Symbol des christlichen Glaubens und dessen Verbreitung. Denn die kleinen Fallschirme können mit dem Wind über zehn Kilometer weit fliegen. Heinz Ehrhardt dichtete humorvoll: „Löwenzahn ist schon seit jeher als höchst kriegerisch verschrien, denn er lässt bei gutem Winde Fallschirmtruppen feindwärts ziehen. Und ich sitz auf der Veranda und verzehre meine Suppe und entdecke in derselben zwei Versprengte dieser Truppe.“

Vom Löwenzahn können wir aber auch für unser Leben lernen:

Erstens: Jeder kennt die tiefen Wurzeln der mehrjährigen Pflanze. Was gibt uns festen Stand im Leben? Der christliche Glaube, die Familie, das Heimatgefühl. Wer tiefe Wurzeln hat – übersteht Krisen besser, das ist klar. Was können wir tun? Dankbarkeit lässt Wurzeln wachsen.

Zweitens: Die Leuchtkraft der Löwenzahnblüte ist erstaunlich – eine angenehme Ausstrahlung geht von den goldgelben Blüten aus. Jede menschliche Gemeinschaft sehnt sich nach solchen Leuchtpunkten: ehrenamtliches Engagement, Freundlichkeit. Da sind Leute mit Freude dabei, nicht, weil es ihr Job ist, sondern weil sie Lebensmut weitergeben möchten.

Drittens: Löwenzahn ist vasenunfähig, er passt in keine ideologische Vase, bleibt unangepasst.

Bleiben Sie Querdenker, erhalten Sie sich ihre Fragen. Lassen Sie sich nicht in „künstliche Vasen“ versetzen. Denn Isolation vom Lebensgrund, den Wurzeln, ist tödlich –. Vielleicht erinnern Sie sich an diese drei wichtigen Dinge, wenn Sie im Park den Löwenzahn sehen: Tiefe Wurzeln, Leuchtkraft und Vasenunfähigkeit! Ich wünsche sie Ihnen.

Christian Knoll, Pastor der Adventgemeinde Leipzig

Foto: Ch. Knoll