Lebensmittel im Angebot

Am kommenden Sonntag zieht wieder viel Erntedankromantik in unsere Kirchen ein. Festlich geschmückte Altäre, Erntekronen, fröhliche Kinder mit Körbchen voller Äpfel sowie allerlei anderer Lebensmittel. Einmal im Jahr wird Überfluss zur Schau gestellt. Oder steckt mehr dahinter? Das Erntedankfest will uns zu zweierlei ermutigen – Danken und Teilen.

Betrachten wir die essbaren Lebensmittel, so haben wir trotz zweier Hitzesommer mit mäßigen Ernten Grund genug zum Danken. Brot wird hier bei uns nur unwesentlich teurer. Unsere Ausgaben für Essen und Trinken sind, gemessen am zur Verfügung stehenden Gesamteinkommen sehr gering – gerade einmal 10 %. Trotzdem gibt es Familien, Alleinerziehende oder Einzelne, die nur schwer über die Runden kommen und darauf angewiesen sind, Lebensmittel möglichst preiswert kaufen zu können.

Deshalb ist der zweite Aspekt genauso wichtig. Wir dürfen uns an das Teilen erinnern lassen. Und damit ist nicht die Tüte Mehl als schmückendes Beiwerk für den Erntedankaltar gemeint, sondern echtes Teilen, um anderen Menschen nachhaltig zu helfen. Das kann beim Geld anfangen und sich über bewussteres Einkaufen der Lebensmittel bis hin zum Zeitteilen erstrecken.

Wer ernten will, muss zuvor ausgesät haben. Im landwirtschaftlichen Bereich ist das für alle sofort einleuchtend. Schauen wir in unsere Gesellschaft, sieht es doch etwas anders aus. Vieles wird für selbstverständlich erachtet – Freiheit, Demokratie, Versorgung durch den Staat. Solche Fürchte können nur wachsen, gedeihen und geerntet werden, wurden sie zuvor gesät und gepflegt. Im dreißigsten Jahr der Friedlichen Revolution tut es gut, sich vor Augen zu halten, was gewachsen ist und wie viel Pflege Demokratie braucht. Gesät wird nicht nur einmal, sondern jede Saison neu. Weil wir ernten, was wir aussäten und dafür die Konsequenzen zu tragen haben, ist es notwendig, immer wieder den Anfang zu wagen. Dabei begleitet uns die Hoffnung auf Gottes Segen.

Ein dritter Gedanke zum Schluss: Wir leben auch von anderen Lebensmitteln. Für mich als Christ ist solch ein Lebensmittel die mir gratis zugedachte Liebe Gottes in Jesus Christus. Er sagt von sich: „Ich bin das Brot des Lebens“! Das gibt es in keinem Supermarkt und ist doch täglich verfügbar.

Ein gesegnetes Erntedankfest wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Martin Hundertmark, St. Thomas zu Leipzig.

Erntedankaltar, Foto: epd Bild