Licht der Welt sein

Die Christen in der Region von Leipzig grüßen die Leserinnen und Leser der LVZ zum Sonntag. Womit beschäftigen wir uns an diesem Sonntag in den Gottesdiensten? In den evangelischen Kirchen geht es morgen um die Frage, wie wir unser Christsein in der Welt leben. Wir hören Worte von Jesus Christus, durch die er uns in aller Deutlichkeit und Eindringlichkeit den Auftrag gibt, als Christen die Welt mit zu gestalten – zusammen mit allen Menschen guten Willens. Christ für die Welt sein, darum geht es Jesus. Er zieht einen Vergleich: „Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt“ (Matthäus-Evangelium, Kap. 5). Und sinngemäß dann weiter, fast augenzwinkernd: „Liebe Christen, ich mache euch doch nicht zu Lichtern in der Welt, damit ihr euch dann mit eurem Licht unter einem Scheffel verkriecht.“ Christsein ist Dasein für die Welt und für das Wohl des Lebens auf der Erde. Der Glaube führt nicht in einen religiösen Sonderbezirk, in den Christen sich zu bestimmten Stunden zurückziehen, z. B. beim Gottesdienst, oder der es mit ein paar wenigen (wenn auch nicht unwichtigen) Fragen zu tun hat, z. B. ob es Gott gibt und wie wir ihn uns vorstellen sollen. Christsein kreist nicht um die eigene Seele, sondern darum, wie wir Gottes guten Willen für die Menschen verwirklichen können. Ich spitze zu: Glaube ist nicht das Wohlfühlprogramm für die Seele, sondern das Wohlergehensprogramm für die Welt.

In den katholischen Kirchen steht die Geschichte im Mittelpunkt, wie die Jünger Jesu in Dörfern und Städten erzählen, was sie mit Jesus erlebt haben: er führt Kranke ins Leben zurück, und Menschen finden in seiner Nähe Gottes Frieden. Jetzt kommen sie wieder zu Jesus und erzählen ihm, wie sie durch ihre Worte und Taten für viele Leute „Salz der Erde und Licht der Welt“ geworden sind. Und Jesus: Nehmt es euch in der Stille noch ein wenig zu Herzen, wie Gott euerm Tun seinen Segen geschenkt hat; vielleicht kommen Zeiten, wo das nicht so offensichtlich ist, wo vieles erfolglos scheint und ihr die Erinnerung gut gebrauchen könnt, dass Gott euch segnet (Markus-Evangelium, Kap. 6).

Alle guten Wünsche für Sie und herzliche Grüße aus den christlichen Gemeinden.

Pfarrer Michael Kühne,
Theologischer Geschäftsführer Diakonissenkrankenhaus Leipzig, Rektor DH-Leipzig

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