Lost in Feuerland
Von Gregor Heidbrink
„Guten Tag, einmal bis nach Feuerland bitte.“ Die alte Liedzeile von Keimzeit bekommt unerwartete Aktualität. Diese Woche hat unser Zoo die Feuerland-Welt eröffnet.
Ich weiß nicht, ob Pinguine Musik hören, oder ob sie Verständnis hätten für die Ironie, wenn man ihnen vorsänge vom Wunsch nach Feuerland zu reisen. Für Menschen ist das eine unwirtliche Region. Für Pinguine dagegen sind blühende Landschaften die Hölle.
Feuerland im Zoo, da kann man trockenen Fußes durch den Ozean ziehen, links und rechts türmen sich Wassermassen. Es ist fast wie beim Auszug aus Ägypten. Man freut sich, dass einen keine nahenden Streitwagen treiben. Höchstens Touris mit Selfiestick.
Schon die Israeliten zweifelten, auf welcher Seite des Teichs es besser wäre. Auch nach langer Wüstenwanderung hielt das gelobte Land nie so recht, was man sich von ihm versprach. Allzumenschlich: In den 90ern war das Land noch normal, sagen die einen. Wenn die falschen regieren, wandern wir aus, sagen die anderen.
Ach, Feuerland. Über unseren Häuptern zischen Pinguine vorbei, die nichts davon wissen, dass es ein noch gelobteres Land für sie gibt, ein echtes Feuerland, dessen Bedingungen das künstliche Refugium überschreiten. Mögen sie in der Zwischenzeit ihr kleines Pinguinglück finden. Dankbar für alles, was schon so aussieht, wie es sollte. Wir aber lassen Feuerland hinter uns, doch wir bleiben unterwegs.
Gregor Heidbrink, Missionsdirektor des Diakonischen Werkes Innere Mission Leipzig e.V.
E-Mail an die Autorin schreiben
Humboldtpinguine, Foto: Pixabay




pixabay