Machtfragen

oder: Über das, was zählt

Es begann unscheinbar. Menschen trafen sich Zuhause, brachten ihre Sehnsucht und Hoffnung mit, teilten ihren Glauben, halfen einander und anderen. Nach etwa 300 Jahren war die Bewegung so groß, so einflussreich und mächtig geworden, dass sie weder zu ignorieren, noch klein zu kriegen war. Also hoffte Rom, sich diese Bewegung zunutze machen zu können: Das Christentum wird Staatsreligion – um den 28. Februar 380 n.Chr.

Kürzlich nun, sprach ich mit Freunden über die aktuelle Situation in den USA, die Proteste in Minneapolis und die Rolle der Kirchen dabei. Einer kannte die näheren Umstände und sagte: “Die Kirchen vor Ort hatten schon lange tragfähige Netzwerkarbeit geleistet, mit der sie sich für soziale Zwecke einsetzten. Deshalb können sie jetzt eine große Stütze des gesellschaftlichen Widerstandes sein.”

Vielleicht will ich auch ein Plädoyer für die Kirche halten; aber eigentlich zuerst für die unscheinbaren Initiativen, die sich miteinander und füreinander einsetzen, die verbinden und stärken, und die dabei zuerst Türen öffnen. Sie brauchen Zeit. Vielleicht auch viel Zeit. Aber sie wachsen – und sind irgendwann weder zu ignorieren, noch klein zu kriegen. Vielleicht kann das ein Ansporn sein, auch für die sozialen Projekte und Netzwerke in unserer Nachbarschaft; und ein Hinweis, dabei die Rolle der Kirchen nicht zu vergessen und nicht zu unterschätzen.

Sebastian Schirmer ist Evangelischer Pfarrer im Leipziger Südosten
E-Mail an Autor schreiben

 

Foto: Pixabay