Mensch, Gott, vergiss das bloß nicht!

Langsam füllt sich am 3. Oktober der Leuschnerplatz. Der Beginn der Demonstration verzögert sich. Ich warte, setze mich auf einen Rinnstein. Vor mir flattert eine Regenbogenfahne. Einer hält mit ihr seine Überzeugung hoch. Ohne Worte. Ein Symbol, das hier verstanden wird.

Ich verbinde mit dem Regenbogen die ursprüngliche Erzählung von der Arche Noah. Genauer gesagt, die sie abschließende Zusage Gottes: Diese Welt sei ihm nicht gleichgültig, werde es auch zukünftig nicht werden.

Bei meinem Gebet am Abend bitte ich Gott, dass er dieses Versprechen bloß nicht vergisst: Lass uns um Gottes Willen mit unserem unübersichtlichen Weltgeschehen nicht alleine. Das würde schief gehen. Eigentlich erinnere ich mich selber: Es geht weiter.

Das Regenbogensymbol hält Gott selber hoch. Nicht ich. Mir flattert es beim Beten um die Nase. Lässt mich spüren: immer noch weht da Wind. Das Eintreten für die eigene Überzeugung lohnt. Das Aufrechtgehen bleibt möglich. Eine Zuversicht, dem Optimismus ähnlich. Ich nenn das Glauben.

von Wolfgang Menz, Sozialpädagoge, dem Zuversicht um die Nase weht

 

Foto: Birgit Arndt (fundus-media)