Mitgefühl lernen

Unser Land ist ein gutes Land, ein Land mit reichen Traditionen, reich an Erfindergeist und an guten philosophischen Gedanken. Unser Land ist ein gutes Land. Die vor uns hier lebten und etwas für dieses Land wollten, haben es durch die Jahrhunderte immer wieder geschafft, sich zu einigen und zusammenzufinden. Um uns diesen Reichtum zu bewahren, brauchen wir Friedenszeiten, wie auch reife und offene Menschen – Menschen voll Mitgefühl und Menschen, die mitdenken: Statt den Frieden einfach nur zu haben, den Frieden leben! Unser Land ist ein gutes Land. Es wird gut durch dich und mich. Es wird gut, wenn wir etwas Gutes für unser Land wollen und zusammenfinden, wenn wir aneinander denken – und innehalten, wenn es nötig ist.

Hast du mit deinen Kindern oder deinen Freunden an den Ausbruch des 2. Weltkrieges vor 80 Jahren gedacht? Hast du einen Moment mit ihnen geschwiegen und eine Kerze angezündet? So etwas schärft dein Mitgefühl. Man muss es lernen, das zu können: Mit anderen zu fühlen.

Mitgefühl wird helfen, dass wir noch in 20 Jahren sagen können: Unser Land ist ein gutes Land. Es wird gut durch dich und mich, durch dein Mitgefühl und durch mein Mitgefühl. Das Mitgefühl hilft, zueinander zu finden. In den heutigen Zeiten wird das Mitgefühl als etwas Schwaches angesehen. Doch bringt es Menschen zusammen. Es lässt sie reifen und innerlich wachsen.

Woher kommt das Mitgefühl? Für Christen kommt es daher, dass der, von dem alles Leben ist, mitfühlend ist. Menschen, die ihn erlebt haben, sagten: Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen (Jes 42,3). Bis heute übernehmen Menschen das in ihr Leben – Handwerker, Polizisten, Politiker, Bauern, Lehrer, Angestellte, usw. Das ist zwar unzeitgemäß – aber sehr sinnvoll, wenn unser Land ein gutes Land bleiben soll, ein Land mit reichen Traditionen, mit guten philosophischen Gedanken, ein Land, in dem Menschen es schaffen, sich zu einigen und zusammenzufinden, Menschen, die etwas für unser Land wollen. Gutes wird, indem man Gutes tut. Ein erster Schritt ist es, Mitgefühl zu lernen. Dann finden wir zueinander und Gutes für unser Land.

Pfarrer Jörg Sirrenberg, Kirchgemeinde Leipzig-Marienbrunn

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