Näher als du denkst

Wir sind im August angekommen. Den Namen hat der Monat von einem römischen Kaiser – u.a. bekannt aus der Weihnachtsgeschichte. Da sich die Christen dem Kaiserkult jedoch verweigerten, waren ihnen die römischen Kaiser mehrheitlich feindlich gesinnt. Erst Konstantin der Große hat die Christenverfolgung endgültig beendet und den Sonntag zum Ruhetag erklärt. Letzteres war im Jahre 321 – also vor 1700 Jahren. Aus demselben Jahr bezeugt eine kaiserliche Bestimmung, dass Juden in Köln ansässig waren – der früheste Beleg für jüdisches Leben nördlich der Alpen im Römischen Reich. Darauf macht die Aktion „#beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst“ aufmerksam. Unsere 7-Tage-Woche z.B. hat ihre Wurzeln in der Tradition des Sabbats. Das ist nicht das gleiche, aber auch nicht etwas ganz anders. Das Pessach-Fest bzw. der Oster-Termin, das Schawuot-Fest zur Gabe der 10 Gebote bzw. Pfingsten zur Gabe des Heiligen Geistes, Purim bzw. Karneval… da gibt es so viel zu entdecken! An diesem Wochenende sind wir aber besonders verbunden im Gedenken: Tischa B´av bzw. Israelsonntag erinnern an die Zerstörung des Jerusalemer Tempels. Allein die Vision davon (Lukas 19,41-48) bringt Jesus zum Weinen. Der 10. Sonntag nach Trinitatis trägt die Klage und die Sehnsucht nach Gottes Reich (Markus 12,34) in sich, in dem beide, Juden und Christen, vereint sein werden, Gott zu loben in Ewigkeit.

Andreas Konrath, Pfarrer der Ev.-Luth. Gehörlosengemeinden Leipzig + Leipziger Land

Jerusalem, Foto: Pixabay