„Nicht so (ernst) gemeint“ – oder doch?
Von Friederike Ursprung
„Nimm’s doch nicht so ernst, ich hab’s doch auch nicht ernst gemeint!“
Das hat mir neulich jemand als Facebook-Kommentar geschrieben. Schon vorher waren Kommentare hin und her gegangen. Und als ich schrieb, was mich störte, – da war’s also „nicht ernst gemeint“!
War es vielleicht wirklich nicht; letztlich ging es auch um eine harmlose Kleinigkeit.
Die Antwort: „Ist doch nicht so gemeint“ – die ärgert mich trotzdem oft: Wenn ihr es nicht so meint, warum sagt ihr es dann überhaupt?
Und kommt dann mit diesem halbgaren „war doch nicht so gemeint“, nachdem euch irgendwer kritisiert hat? Nachdem ihr vielleicht erstmal die Lacher auf eurer Seite hattet? Nachdem eure angeblich nicht so gemeinten Worte irgendwen verletzt haben?
Und nein, das wird durch „war doch nicht so gemeint“ meistens nicht besser.
Ja klar: dahinter kann die Frage stecken: „Verstehst du, wie ich es gemeint habe?“ Dann lässt es sich hoffentlich klären.
Oft habe ich den Verdacht, es ist eine Art Testballon: Erst mal einen flotten Spruch raushauen – und wenn es nicht so gut ankommt, dann war es halt „nicht so gemeint“!
Klingt doch eher nach Ausrede. Oder nach „ist doch dein Problem, wenn du das ernst nimmst!“
Da sind mir doch Leute lieber, die Verantwortung für das übernehmen, was sie sagen, was sie meinen – oder ihre „nicht so gemeinten“ Sprüche auch mal für sich behalten.
Friederike Ursprung, evangelische Kirchenredakteurin bei Radio PSR
Foto: ChatGPT




