Nie wieder!

Waren Sie auch von der jüngsten Evakuierung betroffen? Opa Horst übernachtete in unserer Kirche. Er musste wegen des Blindgängers seine Wohnung verlassen. Genau wie in den unzähligen Nächten vor über 80 Jahren, als Bomben vom Himmel regneten. Die Angst, die er als Kind empfand, der Schrecken vor all der Zerstörung – alles wurde wieder wach gerufen.

Seine Erinnerungen sind ganz lebendig. Opa Horst beschreibt mir das Kaufhaus Ury, das 1943 getroffen worden war. Dort wurde der Blindgänger gefunden. Er erzählt von den Nächten in stickigen Luftschutzkellern und von den zerstörten Gebäuden in der Innenstadt, dem Brandgeruch. Er erzählt, wie sie an einem Morgen vergeblich auf den Vater warteten. Er war im Bombenhagel verbrannt. Unfassbar für ein Kind.

Er beschreibt die gespenstischen Szenen am 9. November 1938. Als die jüdischen Kaufhäuser in Leipzig, auch das Kaufhaus Ury, zerstört und geplündert worden waren. Er fragte sich: Wer tut so etwas? Nachbarn? Kollegen? Leipziger?

Ich bin froh, dass es noch Augenzeugen, wie Opa Horst gibt. Die Reichsprogromnacht, an die wir diese Woche auch in Leipzig erinnern, die Bombennächte, von denen bis heute Blindgänger gefunden werden, sie liegen über 80 Jahre zurück. Die Schrecken der Vergangenheit reichen bis in die Gegenwart.

Wir dürfen nicht vergessen, was der Mensch dem Menschen antun kann. Der kommende Buß- und Bettag mahnt uns, unser Denken und Handeln auszurichten auf den Weg des Friedens.
Opa Horst sagt: So etwas darf nie wieder geschehen! Es liegt an Dir und an mir.

von André Krause, Pastor der Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Leipzig

 

Gedächtniskirche Berlin, Foto: Hans-Georg Vorndran (fundus-media)