Offene Arme

Wir gehen auf ganz unterschiedliche Art und Weise aufeinander zu: Wir können Menschen mit freundlichem Blick anschauen. Wir können sie mit offenen Armen willkommen heißen, ihnen einen Schritt entgegengehen, die Hand reichen. Aber wir können auch die Arme vor der Brust verschränken oder die Hände in den Taschen stecken lassen. Wir können die Hand zur Faust ballen oder sogar zuschlagen. Wie schön ist es, wenn ein Kind mit strahlenden Augen und Leidenschaft in die offenen Arme eines Erwachsenen läuft. Wie wohltuend ist es, wenn auch Erwachsene sich willkommen fühlen. Wenn da jemand offen ist, wertschätzt, ermutigend auf die Schulter klopft oder sogar freundschaftlich in den Arm nimmt.

Die Bibel erzählt davon, dass Gott zu den Menschen kommt. Wie Jesus mit den Menschen umgegangen ist, daran sehen wir, wie Gott uns Menschen sieht und mit uns Menschen umgeht. Jesus war jemand mit offenen Armen. Schon Kinder hat er in die Arme genommen. Das war den Leuten um ihn herum peinlich. Er hat es bewusst getan. „Lasst die Kinder kommen“ hat er gesagt. Und er hat noch ganz andere mit offenen Armen begrüßt: Einfache Leute, Menschen am Rande und auch solche, die es nicht verdient haben.

Wie gut, wenn die Arme und das Herz offen sind für ganz normale Menschen und für die Besonderen. Wenn niemand stört oder peinlich ist: Keine Armen und keine Reichen, keine Klugen und keine Einfachen, keine Behinderten und keine besonders Begabten, keine Gesunden und keine Kranken. Wie können wir offen auf Menschen zugehen? Wir müssen Vertrauen wagen, davon ausgehen, dass sie uns nichts Böses wollen, den ersten Schritt auf sie zu machen, die Hand reichen. Nicht wegstoßen, verurteilen und ablehnen, sondern offen begegnen und annehmen. So laden wir andere ein, dass sie auch uns vertrauen, sich anvertrauen, sich öffnen. So sind wir inklusiv statt exklusiv.

Nehmen wir einmal an, wir begegnen jemandem mit offenen Armen. Gleich heute. Einen Menschen, den wir im Laufe des Tages treffen. Einen, der uns vielleicht geärgert hat. Einen, der uns unterbricht oder stört. Einen, der uns befremdet. Wagen wir den kleinen Schritt der offenen Arme.

Pfarrer Dr. Volker Klein, Theologischer Dienst des Berufsbildungswerkes Leipzig und in Philippus Leipzig

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