Palach und Tschechien, da war doch was?

Jan Palach – eher zufällig fiel mein Blick auf der Leipziger Buchmesse auf ein unscheinbares Buch. Tschechien war das Gastland der diesjährigen Buchmesse. Palach und Tschechien, da war doch was?

Jan Palach, ein tschechischer Student, hatte sich im Januar 1969 selbst verbrannt, aus Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings und gegen die kommunistische Diktatur. Knapp fünf Monate nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei wollte er ein Zeichen setzen. Sein Protest richtete sich gegen die Rücknahme der Reformen der Regierung Alexander Dubčeks und die daraus folgende Lethargie und Hoffnungslosigkeit in der tschechoslowakischen Öffentlichkeit. 50 Jahre ist das her …

Jan Palach – sein Name steht auf einer Plakette, die an einer Kirchenbank in dem alten evangelischen Bethaus in Libiš hängt. Hier, in der Nähe von Prag, saß er kurz vor seiner Tat im Sonntagsgottesdienst. Er gehörte zur Gemeinde der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder. Auf dem Friedhof an der Kirche ist er beigesetzt. Was ihm wohl damals in der Kirche durch den Kopf ging? Was waren seine Gebete?

Das Buch mit Palachs Namen auf dem Deckel war „Dein Herz verbrannte nicht“ von Ingo Cesaro. Darin gibt es eine Passage zu seiner Beerdigung. Für die Menschen, die daran teilnahmen, war es eine Demonstration für Freiheit und Demokratie. „Besonders persönlich waren die Worte des evangelischen Pfarrers aus Libiš, Jakub Trojan, der einen Vers von Johannes variierte: ‚Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben gibt für seine Freunde.‘ Und anschließend sagte er zum Trost zu Jans erschöpfter Mutter, zu Jiri und zu Ilonka: Wenn Jenik das miterleben könnte, würde er wissen, dass sein Fanal verstanden worden ist.“

50 Jahre ist das her. Jan Palachs Tat gehört in die Reihe der Ereignisse, die 20 Jahre später zum Zusammenbruch der totalitären Staaten in Osteuropa führten. In diesem Jahr erinnern wir daran, was vor 30 Jahren geschah – an umwälzende Veränderungen, Aufbrüche, Hoffnungen und Sehnsüchte. Auf einmal waren die Grenzen weg. Und wenige Jahre später fuhr man ohne jede Grenzkontrollen durch ganz Europa. Welche Umwälzungen!

Und heute? An Menschen wie Jan Palach zu erinnern heißt heute: für Freiheit, Demokratie und ein friedliches Europa einzutreten. An ihn zu erinnern heißt, sich einsetzen, sich hingeben und dem Guten Raum geben. Und dies in der Hoffnung, dass es Sinn hat, was wir tun, ohne zu wissen, wie es ausgeht. So wie es im Johannesevangelium heißt: „Niemand hat eine größere Liebe als die, dass er sein Leben gibt für seine Freunde.“

Pfarrer Enno Haaks, Generalsekretär des Gustav-Adolf-Werkes Leipzig

Denkmal für Jan Palach und Jan Zajíc auf dem Wenzelsplatz in Prag vor dem Nationalmuseum, Foto: Bild von Iver_88 auf Pixabay