Rasend leben?

Ich komme eben aus Frankreich mit hübschen Städtchen und weiter Landschaft. Trotz der hohen Temperaturen war ich angenehm mit dem Auto unterwegs. In unserem Nachbarland darf man auf Landstraßen gerade 80 km/h fahren. Daran halten sich auch fast alle. Mit ausreichend Abstand bewegt man sich entspannt zum Ziel. Selbst nach Fahrten auf der Autobahn, auf der es über weite Strecken mit 110 km/h und maximal 130 km/h voran geht, bin ich ausgeruht ausgestiegen.

Welch ein Unterschied zu Deutschland. Auf dem Rückweg dauerte es nach dem Grenzübertritt keine zwanzig Minuten, bis ich den ersten links blinkenden PS-Boliden mit Lichthupe hinter mir hatte. Die Fahrzeuge wurden schwerer und besaßen im Durchschnitt bestimmt fünfzig PS mehr. Der Geschwindigkeitsunterschied zwischen rechter und linker Spur war enorm. Die Abstände zueinander schrumpften.

„Der gegenwärtige Augenblick ist das Fenster, durch das Gott in das Haus meines Lebens schaut.“ Diesen Satz hat der Mystiker Meister Eckart vor über 700 Jahren aufgeschrieben. Wie sieht es im Haus des Lebens derer aus, die mit hoher Geschwindigkeit über die Autobahn donnern und dann auf wenige Meter an ihren Vordermann heranfahren? Wie sieht es in meinem aus, wenn ich in Gedanken immer schon beim nächsten und übernächsten Termin bin?

von Lüder Laskowski, Pfarrstelle für „Kirchliche Arbeit in neuen Stadtquartieren“ in Leipzig

 

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